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29. Oktober 2012

Pflege: Wenn die Pflege zu teuer wird

 Von Mira Gajevic
Die Pflegeversorgung wird teurer, für Frauen sogar doppelt so teuer, als für Männer.  Foto: dapd

Rund 400.000 Senioren sind auf Beihilfe des Staates angewiesen. Nun wird über alternative Modelle zur Pflege diskutiert: Beispielsweise Heimplätze im Ausland.

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Rund 400.000 Senioren sind auf Beihilfe des Staates angewiesen. Nun wird über alternative Modelle zur Pflege diskutiert: Beispielsweise Heimplätze im Ausland.

Die Pflege wird für immer mehr alte Menschen in Deutschland unbezahlbar: Sie sind zunehmend auf staatliche Unterstützung angewiesen, um sich den Platz im Altenheim oder die häusliche Betreuung leisten zu können, wie bislang unveröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Danach stieg die Zahl der Empfänger von „Hilfe zur Pflege“ 2010 um rund fünf Prozent auf etwa 411.000 Bedürftige, wie die Welt am Sonntag berichtete. Die Ausgaben für die staatliche Beihilfe kletterten dem Bericht zufolge auf 3,4 Milliarden Euro.

Im Laufe des Jahres 2009 waren es noch 392.000 Menschen, deren Rente oder Ersparnisse nicht ausreichen, um die teuren Heimplätze oder die Pflege im Alter aus eigener Tasche zahlen zu können. Denn die Pflegekasse zahlt nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten. Je nach Pflegestufe und Ausstattung des Heimes werden für einen Platz zwischen 2000 und 5500 Euro im Monat fällig. Selbst für die höchste Pflegestufe steuert die gesetzliche Pflegeversicherung aber nur 1550 Euro bei, der Rest muss aus eigenen Mitteln beglichen werden.

Pflege im Ausland

Der Unions-Pflegeexperte Willi Zylajew hat jetzt in der Zeitung angeregt, über alternative Modelle zur Pflege zu diskutieren: Zum Beispiel Deutsche im Ausland pflegen zu lassen, statt ausländische Pfleger nach Deutschland zu holen. Kassen wie AOK oder Barmer BEK zeigen sich offen für solche Kooperationen mit Altenheimen im Ausland. Bislang verhindert das das Gesetz: Zum einen haben Deutsche im Ausland keinen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung. Das hat im Juli der EU-Gerichtshof entschieden. Ausnahme: Für Deutsche im EU-Ausland gibt es Pflegegeld. Anspruch auf Sachleistungen der Pflege haben sie dort aber nicht. Zum anderen können Pflegekassen nicht einfach mit Heimen im Ausland Verträge abschließen.

Gesundheitsexperten der Koalition beeilten sich am Sonntag zu erklären, dass sich daran so schnell nichts ändern wird. „Dass es teuer wird, wenn jemand ins Pflegeheim muss, ist nichts Neues. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt seit jeher nur einen fixen Zuschuss“, sagte Jens Spahn (CDU) dieser Zeitung. Um so wichtiger sei es, dass jeder Einzelne beizeiten spare und vorsorge. Ob jemand sich im Ausland oder in der Heimat pflegen lasse, sei die Entscheidung jedes Einzelnen. „Das ist keine politische Diskussion“, so Spahn. Kein Verständnis für eine solche Debatte hat auch die FDP-Pflegeexpertin Christine Aschenberg-Dugnus. „Ich halte davon nichts und sehe auch keine Notwendigkeit, die Gesetze entsprechend zu ändern“, sagte sie. „Ein alter Mensch lässt sich ungern verpflanzen. Soll die Familie zum Geburtstag vom Opa nach Thailand fahren?“ Hinzu kämen praktischen Fragen wie die Überprüfung der Heim-Standards. „Ich halte es für besser, qualifizierte ausländische Pfleger nach Deutschland zu holen“, sagte die FDP-Politikerin. Entsetzt zeigte sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. „Wenn wir unsere alten Menschen nicht mehr hier pflegen könnten, wäre das aus meiner Sicht ein Alptraum.“

Massagen, Strand-Ausflüge und 1:1-Betreuung rund um die Uhr: Mit solchen Angeboten locken Einrichtungen für Demenzkranke in Thailand. Doch wie teuer ist die Pflege im Ausland, und was zahlt die Sozialversicherung? Eine Übersicht.

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