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25. Juli 2012

Piraten vor Somalia: Zäher Kampf gegen die Piraten

 Von Johannes Dieterich
Ein portugiesisches Marine-Team nimmt somalische Piraten fest.  Foto: dpa/Carlos Dias

Die Aktionen gegen Somalias Piraten fruchten. Aber ein Sieg ist pures Wunschdenken. Denn die Piraten sind flexibel und kreativ. Das zu überwachende Gebiet ist mittlerweile riesengroß. Ob Waffen allein ausreichen, ist höchst umstritten.

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Im Krieg gegen die somalische Seeräuberei sieht sich die Nato schon als Sieger. „Wir gehen mit unseren Patrouillen immer erfolgreicher gegen die von den Piraten ausgehende Bedrohung vor“, sagte der Kommandant der Antipiraten-Taskforce, Ben Bekkering, kürzlich in Muskat, der Hauptstadt von Oman.

Die Zahlen geben dem holländischen Kommodore Recht. In der ersten Hälfte dieses Jahres gingen die Angriffe der Seeräuber gegenüber dem Vorjahr um fast zwei Drittel zurück: Von 163 auf 69. „Kein Zweifel, dass die Präsenz der Seestreitkräfte bei der Abschreckung der Piraten eine wichtige Rolle spielt“, bestätigt Pottengal Mukundan, der Direktor des Internationalen Maritimen Büros in Kuala Lumpur.

Vielleicht eine wichtige, gewiss aber nicht die einzige Rolle. Denn außer der Präsenz internationaler Kriegsschiffe – die Nato-Taskforce, das europäische Anti-Piratenbündnis „Atalanta“, chinesische, russische und japanische Patrouillenboote – tragen auch die Reedereien selbst zur Abschreckung bei. Dazu gehören außer dem harmlosen Verkleiden der Bordwände mit Stacheldraht auch Sicherheitskräfte, die auf immer mehr der 42000 jährlich den Golf von Aden passierenden Frachtern stationiert werden.

Schwimmende Arsenale

Solche privaten Schutztruppen sind jedoch höchst umstritten. Ihre Existenz führe zu „neuen, sowohl rechtlichen wie sicherheitsrelevanten Herausforderungen“, heißt es im Bericht einer UN-Expertengruppe. Weil sich nach der Rechtslage vieler Anrainer auf zivilen Schiffen keine Bewaffneten befinden dürfen, parkten Sicherheitsfirmen ihre Angestellten samt Ausrüstung oft auf außerhalb der Hoheitsgewässer ankernden Schiffen: Mindestens 18 davon mit insgesamt mehr als 7000 Waffen sind den UN bekannt. Diese Arsenale drohten zu einem zusätzlichen Sicherheitsrisiko zu werden, heißt es: Schließlich sei nicht auszuschließen, dass auch diese Schiffe angegriffen würden. Und manche der Waffen seien bereits ganz woanders aufgetaucht: So fanden sich 62 Stück bei fünf Polizisten in Mosambik.

Piraten nutzen neue Strategien

Dass das Piraten-Problem – jährlich rund 5,5 Milliarden US-Dollar Schaden –, allein mit militärischen Mitteln gelöst werden kann, ist selbst in Marinekreisen umstritten. Für Anders Friis, Kapitän der holländischen Fregatte „Absalon“, spricht schon die vier Millionen Quadratkilometer Operationsgebiet dagegen, und dass die Seeräuber ihre Strategie ständig verändern, indem sie ihre Aktionen in weiter entferntes Seegebiet verlegen oder auf dem Land Geiseln zu nehmen suchen.

Doch vor allem schade die Tatsache, dass die große Mehrheit der gefangenen Piraten ohne Gerichtsverfahren wieder freigelassen werden müssen, der Abschreckung. Denn nur selten findet sich ein Land, das Seeräubern den Prozess machen will: Staaten wie Kenia und die Seychellen sind überfordert, während der Westen befürchtet, die Piraten könnten sich nach der Haft in ihren Ländern niederlassen. Von den 58 verdächtigen Piraten, die von der „Absalon“ innerhalb eines halben Jahres aufgegriffen wurden, landeten lediglich acht vor Gericht.

Schutz der somalischen Regierung

Schließlich wurde jüngst bekannt, dass sich selbst hochrangige Piraten des Schutzes der somalischen Regierung sicher sein können. Präsident Scharif Scheik Ahmed stellte einem Seeräuberhauptmann für eine Reise nach Malaysia offenbar sogar einen Diplomatenpass aus. Angeblich, um ihn zur Auflösung seines Freibeuter-Netzwerks zu veranlassen.

Die Piraten seien eines der komplexesten Phänomene der Gegenwart, meint der amerikanische Somalia-Experte Peter Pham: Sollte ein Admiral wirklich davon träumen, sie bereits besiegt zu haben, stünde ihm ein „böses Erwachen“ bevor.

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