Florian Bischof braucht dringend Hilfe. Der 31-Jährige will in den Bundestag. Im Berliner Wahlbezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Prenzlauer Berg Ost, kämpft er um ein Direktmandat für die Piratenpartei. Seine Gegner: der ehemalige Juso-Chef Björn Böhning und Hans-Christian Ströbele von den Grünen, der den Wahlkreis zuletzt zweimal in Folge gewonnen hat.
Angesichts dieser Konkurrenz ist Bischof froh, dass Jörg Tauss aus der SPD aus- und in die Piratenpartei eintreten will. Von dem 55-jährigen Internetexperten der Sozialdemokraten erhofft sich Bischof "kompetente Beratung." Die Tatsache, dass gegen Tauss wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt wird, bereitet Bischof keine großen Kopfschmerzen. Es gelte schließlich die Unschuldsvermutung.
Einen Wahlkampf, in dem die Piraten in die Kinderschänder-Ecke gestellt werden könnten, fürchtet er nicht: "Wir gehen davon aus, dass unsere Wähler intelligent genug sind, das einzuordnen. Sobald wir zur ernsthaften Konkurrenz werden, wird der schmutzige Wahlkampf sowieso auf uns zukommen."
Negative PR ist nun mal PR
Der Fall Tauss wird im Forum der Partei und über Twitter kontrovers diskutiert. Dabei geht es vor allem ums Image. Diejenigen, die Tauss lieber nicht als ersten Piraten im Bundestag sehen wollen, sind dabei in der Minderheit. Die meisten haben nichts dagegen, "seine Erfahrung, seine Verbindungen, seine Bekanntheit auszunutzen." Manche sind sogar der Meinung, auch negative PR sei nun mal PR und könne der Partei helfen.
Franziska Heine, die mit ihrer Online-Petition gegen Netzsperren zu einem Sprachrohr der Aktivisten geworden ist, kennt diese Diskussionen aus ihrem Umfeld und kommt zu einem ähnlichen Schluss: "Die Gefahr, dass sich die Piraten damit selbst schaden, sehe ich nicht. Die haben mit genug Vorurteilen zu kämpfen, da kommt es auf eines mehr oder weniger nicht an. In den Kreisen, in denen sie eh unwählbar sind, ist das einfach nur ein weiterer Grund."
Die Berichterstattung jedenfalls hat bereits Folgen: Beim baden-württembergischen Landesverband der Piraten stapeln sich nach Angaben eines Sprechers seit Freitag die Anträge auf Mitgliedschaft. Da diese nach Eingangsreihenfolge abgearbeitet würden, könne man nicht sagen, ob Jörg Tauss seinen schon abgegeben hat: "Bislang war er nicht dabei."
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