Dass jemand, der laut Eigenaussage nur „die Post aufmacht“, so im Medieninteresse steht, darf man ungewöhnlich nennen. Mareike Peter, persönliche Mitarbeiterin der Piraten-Parlamentarier Oliver Höfinghoff und Heiko Herberg, hat es mit nur zwei Tweets, also öffentlichen Kurznachrichten im Internet-Dienst „Twitter“, zu staunenswerter Bekanntheit gebracht. Für die letzte Nachricht dieser Art hat sie sich jetzt sogar entschuldigt. Sie lautet: „Kant ist ein Rarristisches Arschloch, mit dem werden wir noch größere Probleme haben“. Mit Kant ist in diesem Fall nicht der Philosoph aus Königsberg gemeint, sondern der neue Polizeipräsident von Berlin, der orthografisch korrekt Klaus Kandt heißt. Und das „Rarristisch“ sollte eigentlich „rassistisch“ heißen. Alles andere ist richtig geschrieben.
Herrn Kandt hatte Frau Peter schon einmal im Visier, als sie vor Wochen twitterte „zünd den an, solange er noch da ist1!!!!“. Damit war, wie die junge Dame hernach auf Anfrage erklärte, keinesfalls ein Gewaltaufruf gemeint. Vielmehr habe sie sich über Kandts Bekenntnis zum sogenannten „Racial Profiling“ aufgeregt. Womit eine Polizeimethode gemeint ist, Routinekontrollen ohne konkreten Anlass insbesondere bei Menschen durchzuführen, die wie Migranten aussehen. Bei Kandt hat sich Peter nun via Boulevardzeitung entschuldigt, aber nur für die Titulierung „Arschloch“, nicht für den Rassismusvorwurf.
Dennoch lösten die beiden Internet-Minitexte heftigste Reaktionen aus. Innensenator Frank Henkel (CDU) beschwerte sich schriftlich bei Piraten-Fraktionschef Christopher Lauer über die „unerträgliche Äußerung“, die Polizeigewerkschaft GdP forderte eine Entschuldigung.
Lauer will jetzt ein weiteres Gespräch mit den Fraktionären Herberg und Höfinghoff führen, um derlei parteischädigende Ausfälligkeiten künftig zu verhindern. Schon beim ersten Tweet hatte er erklärt, wäre Peter eine Mitarbeiterin der Fraktion (und nicht die zweier Abgeordneter), dann hätten die Äußerungen Konsequenzen.
Mareike Peter, die den Rarrismus-Tweet inzwischen löschte, kündigte an, ihre Tweets künftig zurückhaltender abzufassen. Die Sache mit dem „Arschloch“ sei eine Minute nach dem Aufstehen entstanden. Künftig wolle sie vorm ersten Tweet zunächst einen Kaffee trinken. Dem Polizeipräsidenten ließ sie die Bitte um ein Gespräch „auf Augenhöhe“, wie sie sagt, übermitteln, eine Zusage sei aber noch nicht erfolgt. Sie wolle mit Kandt über institutionellen Rassismus sprechen.
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