Die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft befasse sich jetzt mit dem wissenschaftlichen Fehlverhalten Guttenbergs und untersuche, „ob es Hinweise auf eine Täuschung gibt“, sagte Universitätspräsident Rüdiger Bormann am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Die Beweisführung sei „sehr komplex und strittig“, daher könne sich der Prozess lange hinziehen.
Bormann verwahrte sich damit gegen die Kritik, der rasche Entzug von Guttenbergs Doktortitel ohne Prüfung der Täuschungsvorwürfe sei halbherzig gewesen. Der Universität sei an einer schnellen Entscheidung gelegen gewesen, weil der Fall „starke Irritationen im Wissenschaftssystem“ ausgelöst habe. Um weiteren Schaden abzuwenden, habe man sich zu dem einfachen, zielführenden Weg entschlossen.
Die Universität hatte Guttenberg am Mittwoch den Titel entzogen, nachdem Guttenberg gravierende Fehler in der Arbeit eingeräumt und um Rücknahme des Doktorgrades gebeten hatte. Den Vorwurf der bewussten Täuschung wies er jedoch zurück.
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, hatte im „Kölner Stadt-Anzeiger“ kritisiert: „Die Universität Bayreuth kneift, denn sie verzichtet darauf zu prüfen, ob eine bewusste Täuschung vorliegt - und das trotz massivster Anhaltspunkte.“ Wiefelspütz fügte hinzu: „Damit macht sie sich die Argumentation Guttenbergs zu eigen und erleichtert ihm das politische Überleben. Das ist nicht in Ordnung.“
Für das Jurastudium der Universität soll Guttenberg nun offenbar nicht mehr werben. Aufgrund der Aberkennung des Doktorgrades werde der Imagefilm, in dem der Verteidigungsminister das Studium in Bayreuth als lohnenswert anpreist, „derzeit überarbeitet“, heißt es auf der Internetseite der Jura-Fakultät. Auch ein Foto Guttenbergs auf der Homepage der Universität wurde am Donnerstag entfernt.
Bormann ließ allerdings offen, ob Guttenberg künftig noch als Werbeträger fungieren wird. Das müsse man sich in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, sagte er. Die ehemaligen Absolventen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften wollen Guttenberg weiter als Redner für eine Festveranstaltung im Mai. Man werde den Verteidigungsminister nicht ausladen, sagte ihr Sprecher Robin Pesch. Man überlege aber, ob das Programm geändert werde. Von Guttenbergs Büro habe man noch nichts gehört.
Der Verteidigungsminister war vor Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe zum „Homecoming“ der Alumni eingeladen, bei dem Ehemalige zurück an ihre Universität kommen. Guttenberg war dabei als Gastredner bei der Doktorandenehrung eingeplant und hatte bereits zugesagt. Die aktuellen Überlegungen zu einer Programmänderung drehen sich laut Pesch um eine mögliche Verlegung der Gastrede Guttenbergs weg von der Doktorandenehrung. (dapd)
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