Der Vorsitzende des „Frankfurter Zukunftsrat“, eines Zusammenschlusses von Wissenschaftlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, hat den Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gefordert. „Es herrscht hier offensichtlich eine Diskrepanz zwischen äußerem Auftreten, sprachlicher Gewandtheit und nach innen gelebtem Wertesystem“, erläuterte der Vorsitzende des Rates, Professor Manfred Pohl.
Nachdem Guttenberg zugeben musste, seine Doktorarbeit in wesentlichen Teilen von fremden Autoren abgeschrieben zu haben, müsse sich der CSU-Politiker fragen, ob er den Bürgern Werte noch glaubwürdig vermitteln könne. Es gehe nun darum, „so zu handeln, dass die Menschen in unserem Land an die Werte eines Politikers glauben können“.
Problematisch sei zudem „die Verquickung von Universitätssponsoring und gleichzeitiger Inanspruchnahme wissenschaftlicher Vergünstigungen“, sagte Pohl mit Blick auf Guttenbergs Unterstützung der Universität Bayreuth. Die Rhön-Klinikum AG überwies bis 2006 rund 750.000 Euro an die Uni. Das Geld wurde für einen neuen Lehrstuhl für Medizinmanagement verwendet, der an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät angesiedelt ist.
Guttenberg saß bis 2002 im Aufsichtsrat der AG, die Familie hielt ein Aktienpaket. Auch zum Schutz des eigenen Images wäre Guttenbergs Rücktritt „angebracht“, so Pohl weiter. Auch eine Rückkehr auf die politische Bühne „nach einer gewissen Karenzzeit wäre dann nicht ausgeschlossen.
Der 2008 gegründete Zukunftsrat befasst sich als eine Art Thinktank mit gesellschaftlichen Grundsatzfragen wie der Zukunft des Bildungssystems, Migration und Integration oder Demographie. Zu den Mitgliedern gehören Guttenbergs Vorgänger Rudolf Scharping (SPD), die die früheren Spitzenpolitiker Wolfgang Clement (SPD) und Friedrich Merz (CDU), der Philosoph Peter Sloterdijk und die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro.
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