Gegen Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) werden Plagiatsvorwürfe laut. Auf der Internetplattform „VroniPlag“ sind Auszüge der Doktorarbeit des 41-Jährigen veröffentlicht, die Plagiate aus einer Magisterarbeit eines Studenten belegen sollen. Wöller räumte am Mittwoch auf dapd-Anfrage ein, dass es bereits 2008 einen Plagiatsvorwurf gegen ihn an der Technischen Universität Dresden gegeben habe, der aber weitgehend ausgeräumt worden sei. Er gehe davon aus, dass der nun erhobene Verdacht keine neuen Erkenntnisse bringe.
Wöller hatte im Jahr 2002 seine wirtschaftswissenschaftliche Doktorarbeit mit dem Titel „Der Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands (1952 bis 1975)“ an der Philosophischen Fakultät der TU Dresden eingereicht. Zwei Jahre später wurde die Arbeit von einem Verlag publiziert. Daraufhin wurde innerhalb der Universität der Vorwurf erhoben, Wöllers Dissertation basiere in wichtigen Teilen auf der Magisterarbeit eines Studenten, ohne dass dies in hinreichendem Maße kenntlich werde.
Wöllers Dissertation wurde ein Fall für den Promotionsausschuss. Dieser prüfte die Vorwürfe mit dem Ergebnis, dass „die Menge der Übereinstimmungen“ zwischen der Magisterarbeit und dem ersten Teil von Wöllers Dissertation „bedenklich“ sei. Das geht aus einem Schreiben des Ausschusses an Wöller Anfang 2008 hervor, das der Nachrichtenagentur dapd vorliegt. Ein „Täuschungsvorwurf im akademischen Sinne“ oder ein Urheberrechtsverstoß könne Wöller aber nicht gemacht werden, erklärte der Ausschussvorsitzende Bruno Klein.
Wöller habe wissenschaftlich korrekt auf die einschlägigen Studien aus der Magisterarbeit hingewiesen. Beim Vergleich beider Arbeiten habe sich jedoch gezeigt, dass Wöller „im konkreten Einzelfall nicht im hinreichenden Maße mithilfe von Fußnoten auf die teilweise inhaltlich übereinstimmenden und sprachlich ähnlichen Stellen“ hingewiesen habe, heißt es in dem Schreiben. In der nächsten Auflage der Dissertation sollten diese Nachweise eingearbeitet sein, empfiehlt der Klein mit Nachdruck.
Anfangsverdacht gegen Wöller
Wöller, der zurzeit an der Ostsee Urlaub macht und bei der Landesregierung für Bildung zuständig ist, erklärte am Mittwoch schriftlich: Er habe die sehr gute Magisterarbeit in einem Kapitel seiner Dissertation ausführlich vorgestellt und mehrfach zitiert. Er gehe davon aus, dass die damals erhobenen Plagiatsvorwürfe identisch seien mit den aktuellen Verdächtigungen auf der Internetplattform „VroniPlag“. Der Ausschuss habe ihn damals ermahnt und aufgefordert, bei einer weiteren Buchauflage entsprechende Ergänzungen vorzunehmen. Nun interessiere sich offenbar ein Plagiatesucher für den Fall.
Aus beiden wissenschaftlichen Arbeiten sind mehrere Auszüge auf „VroniPlag“ anonym veröffentlicht. Der Dresdner Medien- und Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber, der als Plagiatsgutachter tätig ist, sagte der dapd, gegen Wöller bestehe ein Anfangsverdacht. Wöller habe offenbar an mehreren Stellen ab- und umgeschrieben. Der Fall sei aber seines Wissens nach „noch nicht durchrecherchiert“, betonte er. Wann dies geschehe, sei angesichts der vielen Plagiatsfälle in Deutschland offen.
Erst am vergangenen Montag waren auf „VroniPlag“ Teile einer Doktorarbeit des Leipziger Jugendamtsleiters Siegfried Haller als inhaltlich deckungsgleich mit einer Broschüre der Stadtverwaltung Ludwigshafen nachgewiesen worden. Haller erklärte, er selbst sei mit früheren Kollegen aus dem Ludwigshafener Amt für Stadtentwicklung Autor der 1991 erschienenen Publikation gewesen. Allerdings seien in der Broschüre die Autorennamen nicht genannt worden. Wöller gerät als zweiter Fall in Sachsen ins Visier der Betreiber von „VroniPlag“.
„VroniPlag“: (bit.ly/ph61Je)
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