Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

09. März 2016

Plagiatsvorwurf : Von der Leyen behält Doktortitel

 Von 
Darf ihren Doktortitel behalten: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.  Foto: rtr

Ursula von der Leyen darf ihren Doktortitel behalten. Das teilte der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover nach Prüfung der Plagiatsvorwürfe mit. Die Dissertation enthalte dennoch einige "Fehler".

Drucken per Mail

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen behält ihren Doktortitel. Das hat der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) am Mittwoch bekanntgegeben. Der Beschluss sei mit sieben zu eins Stimmen bei einer Enthaltung ergangen, sagte der Präsident der Universität Christopher Baum am Mittwoch. Nach seinen Worten ist die rund ein halbes Jahr dauernde Prüfung „sorgfältig, objektiv, ergebnisoffen und ohne Ansehen der Person“ verlaufen. Außer Gremien der MHH haben auch internationale Wissenschaftler an dem Prozess teilgenommen.

Baum erklärte, dass in einem Teil der Arbeit, der sich mit der Wiedergabe der vorhandenen Literatur beschäftigte, „Fehler“ vorgekommen seien, weil Zitate nicht gekennzeichnet waren. Insofern handele es sich um Plagiate. Es habe jedoch kein „Fehlverhalten“ der Doktorandin vorgelegen. Das Muster der Plagiate lasse nicht auf eine bewusste Täuschungsabsicht schließen.

MHH-Präsident Christopher Baum begründet die Entscheidung

In einer schriftlichen Erklärung räumte von der Leyen ein, Teile ihrer Arbeit entsprächen „nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle“. Sie sei jedoch froh, dass die Universität bei ihrer Prüfung zu dem Schluss gekommen sei, „dass meine Experimente für die medizinische Forschung relevant waren und die Arbeit insgesamt die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt.“

Bereits vor Bekanntgabe der Entscheidung hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel hinter die Ministerin gestellt. Auf die Frage ob die 57-Jährige weiter das Vertrauen von Bundeskanzlerin Angela Merkel habe, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert bereits vor der Bekanntgabe der Entscheidung am Mittwoch erklärt: „Selbstverständlich. Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der Nato-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat.“

Das Internetforum VroniPlag hatte der CDU-Politikerin im vorigen Jahr vorgeworfen, auf 27 von 62 Seiten ihrer 1991 abgeschlossenen Dissertation über Entspannungsbäder bei der Geburtsvorbereitung von anderen Autoren abgeschrieben zu haben, ohne sie zu nennen oder ihre Quellen nicht korrekt abgegeben zu haben. Das entspräche einem Anteil von 43,5 Prozent.

Die CDU-Politikerin hält sich zurzeit zu einem Arbeitsbesuch in den USA auf, wo sie unter anderem ihren amerikanischen Amtskollegen Ashton Carter traf. Von Washington reiste sie weiter nach Kalifornien und hielt am Abend einen Vortrag an der Standford-Universität über die Herausforderungen der aktuellen Sicherheitspolitik. Von der Leyen hatte nach Abschluss ihrer Doktorarbeit mehrere Jahre in Stanford gelebt. Zwei ihrer sieben Kinder sind dort geboren.

Von der Leyen ist nicht die erste Politikerin, die sich mit Plagiatsvorwürfen auseinandersetzen musste. Aus der Bundesregierung haben deshalb Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) im Jahr 2011 und Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) 2013 ihre Ämter niedergelegt. Guttenberg lebt inzwischen als Privatmann in den USA. Schavan ist deutsche Botschafterin beim Vatikan.

Die FDP-Europa-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin gab ihren Sitz im EU-Parlament auf, nachdem ihr der Doktortitel wegen erwiesenen Plagiats entzogen worden war. Bei anderen Politikern, an der Spitze Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bundestagspräsident Norbert Lammert, hielten die Vorwürfe einer Überprüfung nicht stand.
Der Name des Plagiatsprüfungsforums „VroniPlag“ knüpft an den Namen der Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Edmund Stoiber an. Die Universität Konstanz hatte Veronika Saß den juristischen Doktortitel wegen Plagiats entzogen.

Der Bonner Professor Wolfgang Löwer plädiert für eine Verjährungsfrist bei Plagiatsfällen. Nach 15 Jahren sollten sie zwar noch geprüft werden können – aber ohne Sanktionen. Löwer ist Sprecher des Gremiums „Ombudsman für die Wissenschaft“, das sich die Prüfung von Zweifelsfällen zur Aufgabe gemacht hat. Nach seiner Auffassung sind Plagiaten bei Promotionen wie im Fall von der Leyen schwer zu identifizieren.

In naturwissenschaftliche Arbeiten werde zunächst der Stand der Forschung beschrieben, erläuterte Löwer. Danach komme der eigene Beitrag. Für die Zitierweise im ersten Teil müsse die wissenschaftliche Gemeinschaft verbindliche Regeln erst noch formulieren.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Atomwaffen

Worte der Hoffnung

Von  |
Obama: „Aber wir müssen auch den Mut haben, der Logik der Angst zu entkommen und eine Welt anstreben ohne Atomwaffen.“

Barack Obama spricht erneut von einer Welt ohne Atomwaffen. Er weckt damit Erwartungen, die er selbst nicht erfüllen kann. Doch sein Traum könnte ein Ziel für die Menschheit sein. Mehr...

Israel

Netanjahu auf Kollisionskurs

Benjamin Netanjahu hat sich mit latent antidemokratischen Kräften verbündet, die er kaum kontrollieren kann.

Israels Regierungschef hat sich mit latent antidemokratischen Kräften verbündet, die er kaum kontrollieren kann. Schlechte Aussichten für einen Siedlungsstopp.  Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung