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Politische Zukunft unklar: Lafontaine kämpft gegen Krebs

Oskar Lafontaine ist an Krebs erkrankt. Der Linkspartei-Chef muss operiert werden. Anfang des nächsten Jahres will er entscheiden, ob und wie er seine politische Arbeit fortzuführen gedenkt. Von Holger Schmale

Oskar Lafontaine.
Oskar Lafontaine.
Foto: ddp

Berlin. So können sich Geschichten drehen. Eben galt Oskar Lafontaine noch als alternder Schwerenöter, dem im Spiegel ein politisch folgenschweres Verhältnis zu seiner Genossin Sahra Wagenknecht nachgesagt wurde. Und nun ist er ein 66-jähriger Politiker, der sich wegen einer Krebserkrankung und der erforderlichen Operation erst einmal aus dem öffentlichen und politischen Leben zurückzieht.

"Um weiteren Spekulationen vorzubeugen", teilte Lafontaine am Dienstag mit: "Ich werde mich am Donnerstag zu einem seit längerem geplanten chirurgischen Eingriff in eine Klinik begeben. Es handelt sich um eine Krebserkrankung. Nach überstandener Operation werde ich zu Beginn des neuen Jahres unter Berücksichtigung meines Gesundheitszustandes und der ärztlichen Prognosen darüber entscheiden, in welcher Form ich meine politische Arbeit weiterführe."

Oskar Lafontaine.
Oskar Lafontaine.
Foto: dpa

Viel mehr war auch aus seiner Umgebung nicht zu erfahren. Immerhin: "Nachrufe müssen nicht geschrieben werden", sagte der Sprecher der Linksfraktion, Hendrik Thalheim. Saarlands Linke-Chef Rolf Linsler geht davon aus, dass Lafontaine heute im Saarbrücker Landtag zur ersten Regierungserklärung der neuen Landesregierung sprechen wird. Lafontaine rechne damit, dass er nicht allzu lange im Krankenhaus bleiben müsse. Die Erkrankung sei rechtzeitig erkannt worden.

Auch vor Kenntnis der Erkrankung hatte der Bericht des Spiegel Empörung in der Linken ausgelöst. Demnach hatte Lafontaine im Oktober auf den Fraktionsvorsitz im Bundestag verzichtet, weil seine Ehefrau Christa Müller Druck auf ihn ausgeübt habe. Er solle sich mehr in Saarbrücken, wo er ebenfalls den Fraktionsvorsitz übernommen hatte, als in Berlin in der Nähe Wagenknechts aufhalten.

Zwar gilt diese Version unter Vertrauten Lafontaines als glaubwürdig. Doch sei sie vermutlich von innerparteilichen oder anderen Gegnern an den Spiegel lanciert worden, um dem Vorsitzenden der Linken zu schaden. "Unhaltbare Gerüchte über unser Privatleben kennen meine Frau und ich seit vielen Jahren. Das ist nichts Neues", sagte Lafontaine der Saarbrücker Zeitung.

Auch Wagenknecht sprach von Gerüchten. In der Fraktion hieß es, wenn Lafontaine bei politischen Terminen zuletzt gefehlt habe, habe das schon mit dem Wissen um die Krankheit zu tun gehabt. "So etwas verändert die Prioritäten", sagte ein Vertrauter. Der Rückzug vom Fraktionsvorsitz im Bund habe damit aber nichts zu tun. Offiziell hatte Lafontaine dies als Abkehr von unguter Ämterhäufung dargestellt.

Nun ist offen, ob Lafontaine daran festhält, 2010 erneut Vorsitzender der Linken werden zu wollen. Nach der Satzung fällt dann die Doppelspitze, die derzeit aus Lafontaine und dem früheren PDS-Chef Lothar Bisky besteht, weg. Lafontaine selbst hatte für die Fortführung der Doppelspitze geworben, am liebsten in einer Mann-Frau- und Ost-West-Mischung. (mit dpa)

Autor:  Holger Schmale
Datum:  17 | 11 | 2009
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