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Politologe Bauer: "Rechtspopulistisches Potenzial auch in Deutschland"

Der österreichische Parteienforscher Werner T. Bauer erklärt,  warum in der Bundesrepublik die demokratischen Parteien noch dominieren.

        

Werner T. Bauer, 52, ist Politikwissenschaftler in Wien und berät dort auch die Sozialdemokraten.
Werner T. Bauer, 52, ist Politikwissenschaftler in Wien und berät dort auch die Sozialdemokraten.
Foto: privat

Herr Bauer, hat es Sie überrascht, dass die Rechtspopulisten in Finnland so stark sind?

Eigentlich nicht. Nicht nach den Wahlerfolgen der Rechtspopulisten in Dänemark und Schweden. Der Rechtspopulismus im modernen Kontext ist ja eine skandinavische Erfindung aus den 1970er Jahren. Damals gab es dort erste derartige Bewegungen, allerdings noch ohne diese massiven fremdenfeindlichen Tendenzen, wie wir sie heute erleben.

Als Österreicher haben Sie Erfahrung mit Rechtspopulisten à la Jörg Haider. Was macht diese Parteien so interessant für die Wähler?

Das ist ein sehr vielschichtiges Problem. Eine Hauptursache dürfte das Gefühl vieler sein, mit der Globalisierung alleingelassen zu werden. Dazu kommt, dass die Bindungen zu traditionellen Parteien, zu Kirchen, zu Gewerkschaften verloren gehen, was sich an sinkenden Mitgliederzahlen ablesen lässt. Da liegt es nahe, sich jenen zu nähern, die einfache Lösungen für sehr komplexe Probleme anbieten, und vorgeben, sich der Anliegen des kleinen Mannes anzunehmen.

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Aber auch in Deutschland ist die EU-Skepsis weit verbreitet. Warum haben Rechtspopulisten hierzulande bislang keinen Erfolg gehabt?

Ich möchte ja glauben, dass zumindest die Deutschen als eines der wenigen Völker aus ihrer Geschichte gelernt haben.

Haben sie das etwa nicht?

Na ja, die Debatte um die Thesen von Thilo Sarrazin hat schon gezeigt, dass es in Deutschland auch ein rechtspopulistisches Potenzial gibt. Das liegt wahrscheinlich wie in den meisten europäischen Ländern bei zehn bis 15 Prozent der Wahlberechtigten.

Aber Wahlerfolge gibt es nicht.

Das liegt auch daran, dass es in Deutschland noch stärkere Tabus gibt als etwa in Österreich. Dort fühlt man sich immer noch als das erste Opfer des Nationalsozialismus. Zudem scheint es in Deutschland schwieriger zu sein, sich auf nationaler Ebene zu etablieren. Rechtspopulistische Bewegungen wie „Pro Köln“ konnten sich bislang nur lokal, allenfalls regional durchsetzen. Auch darf man nicht vergessen: Mit der Linkspartei gibt es in Deutschland eine linkspopulistische Alternative, die den Protest sammelt.

Aber passieren könnte es?

Ja, wenn eine charismatische Führerfigur auf die Bühne träte, dann wäre es vermutlich schnell vorbei mit dem Sonderstatus.

Aber die konservativen Parteien in Deutschland rühmen sich, den rechten Rand zu absorbieren.

Stimmt. CDU und CSU haben den rechten Rand relativ gut abgedeckt. Aber ich weiß nicht, ob das für alle Zeiten gilt. Man muss sich nur die Erosion der großen Parteien ansehen, um zu zweifeln.

Interview: Damir Fras

Datum:  18 | 4 | 2011
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