Politik
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08. Juni 2010

Porträt Christoph Giesa: Bloggen für Joachim Gauck

 Von Bernhard Honnigfort
Foto: christophgiesa. blogspot. com

Ein Mann mischt sich ein - der Hamburger Giesa hat eine Lawine losgetreten mit einer Seite für den Oppositionskandidaten. Dabei ist der 29-Jährige Mitglied der FDP - doch eine Rede von Gauck hat ihn aufgewühlt. Von Bernhard Honnigfort

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Rückblick

Am Dienstag waren es 11.000, heute rechnet er mit 20.000, morgen sind es vielleicht schon 40.000, Mitte nächster Woche 100.000: Christoph Giesa, 29 Jahre alt, Hamburger, hat eine Lawine aus Zustimmung losgetreten.

Der junge Mann will, dass Joachim Gauck am 30. Juni zum Bundespräsidenten gewählt wird. Er will nicht nur zuschauen, sondern mithelfen und hat vor ein paar Tagen die Sympathisantenseite "Joachim Gauck als Bundespräsident" bei Facebook im Internet eingestellt. Seitdem kann er sich vor Unterstützern nicht mehr retten.

Warum das Ganze? Giesa, ein "überzeugter Liberaler und FDP-Mitglied", hat Joachim Gauck vor acht Jahren einmal erlebt. Gauck war Redner beim Bundeskongress der Jungen Liberalen in Leipzig. "Diese Rede hat keiner vergessen, der dabei war", sagt Giesa. "Solch einen Applaus hat Westerwelle nie bekommen." Gauck war für ihn deutsche Einheit. Ein intellektueller, vorbildlicher Politiker.

Giesa weiß, wie Politik funktioniert, er weiß auch, wie Kampagnen organisiert werden. Vor Jahren war er Chef der Jungen Liberalen in Rheinland-Pfalz und wäre um ein Haar Europaabgeordneter der FDP geworden. Doch dann ging er nach Portugal und als er wieder kam, entschied er sich gegen die Politik und fürs Arbeiten. Heute ist er Unternehmensberater bei Otto in Hamburg.

Giesa hat Visionen. "Ich engagiere mich, wenn ich an etwas glaube", sagt er. Er glaubt daran, dass die Leute die Nase voll davon haben, wie Politik gemacht wird in Deutschland. "Die Politik rennt der Realität hinterher", meint Giesa. Er will, dass Politik ordnet und gestaltet. Stattdessen sieht er bei Anne Will und Maybrit Illner, wie sie sich zanken und beleidigen, während die große Krise das Land gepackt hält und die Leute Angst um Geld und Arbeit haben. "Ich kriege ein Magengeschwür, wenn ich das sehe."

Giesa will das Netz verlassen und in der Wirklichkeit mitmischen. Das Engagement müsse aus dem Netz auf die Straße, sagt er. Wie genau, weiß er auch noch nicht. Er stellt sich eine Großkundgebung vor mit Joachim Gauck und Tausenden Anhängern, zu denen er spricht. "Vielleicht drei Tage vor der Präsidentenwahl, das wäre doch etwas." Den nötigen Kontakt zum Umfeld des Präsidentschaftskandidaten hat er. "Da würde der eine oder andere Liberale zittern."

Der Mann hat zwar Visionen, doch er kann auch zählen. Er geht davon aus, dass am Ende Christian Wulff Präsident sein wird. Andererseits, sagt er: "Wenn das noch ein, zwei Wochen so weitergeht…" Auf alle Fälle, da ist er sich sicher, wird seine Internet-Aktion "eine Landmarke in der deutschen Politik" werden.

Als Horst Köhler zurückgetreten war, hatte Giesa die FDP in Berlin angerufen und ihr Gauck als Kandidaten ans Herz gelegt. Man hat nicht auf ihn gehört. Jetzt ist er kaum noch zu überhören.

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