Grant Kippen ist ein Mann für schwierige Fälle, auch wenn er das nie zugeben würde. "Es ist aufregend, Teil dieses demokratischenProzesses zu sein", beschreibt der aus Kanada stammende Chef der Beschwerdekommission bei den afghanischen Präsidentschaftswahlen seine Aufgabe. Es gibt reichlich Betrugs- und Manipulationsvorwürfe.
Kippens Job klingt zunächst gar nicht aufregend. Es geht um die Einhaltung strenger Regeln, um Vorschriften und klar abgesteckte Prozesse. Er braucht Fingerspitzengefühl.
Kein Wunder, dass Kollegen ihn als "vorsichtigen" und "abwägendenMann" beschreiben. Aber gerade solche Leute setzen die Vereinten Nationen gern in Regionen ein, die man mit einem "Pulverfass" vergleicht. Sei es Ost-Timor, der Irak, die Ukraine, Algerien oder Kambodscha: Kippen war immer dabei, wenn auch nicht immer in UN-Diensten.
Der Kanadier, der einst unter Premierminister Pierre Trudeau arbeitete, ist ein Mann, der aufgeregte Politiker beruhigen kann und selbst Journalisten beeindruckt. Manchmal hatte Kippen auch einfach nur Glück. So hatte er ein Zimmer im Marriot-Hotel in Pakistans Hauptstadt Islamabad gemietet, als es von einem Selbstmordattentäter in Schutt und Asche gelegt wurde. Doch Kippen kam ungeschoren davon, weil er gerade zu einem Termin unterwegs war.
Stur wie ein Paragrafenreiter
Wenn jemand so knapp dem Tod entkommen ist, wäre mehr Vorsicht verständlich. Doch Kippen zögerte keine Sekunde, als ihn der Ruf an die Spitze der Beschwerdekommission ereilte. Dabei muss dem Wahlexperten von Anfang an klar gewesen sein, wie brisant der Posten ist. Schließlich waren schon vor dem Urnengang viele Manipulationen erkennbar. Kippen wusste, dass er als Korrektiv einer Wahlkommission fungieren würde, deren Mitglieder Präsident Hamid Karsai verpflichtet sind.
Stur wie ein Paragrafenreiter hielt er sich seit dem 20. August an das Regelwerk der Wahlen und konnte so verhindern, dass Karsai gleich seine Regierungsmacht nutzte, sich als Sieger darzustellen. Inzwischen ist Kippens Position noch unbequemer geworden. Er findet sich zwischen allen Fronten wieder. Auf der einen Seite trifft ihn die Wut der afghanischen Regierung wegen der Betrugsvorwürfe, auf der anderen behauptet Oppositionsführer Abdullah Abdullah, es sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Dann klopfen noch die zerstrittenen Vertreter westlicher Staaten bei ihm an, um über Vor- und Nachteile einerStichwahl zu reden.
"Mir wird oft gesagt, dass mich kaum jemand um meine gegenwärtige Aufgabe beneidet", sagt Kippen. In Wahrheit dürfte der stille Mann im stillen Kämmerchen seinen Job wohl genießen.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.