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Porträt: Der stille Wahlhüter

Stur wie ein Paragrafenreiter erledigt der Chef der Beschwerdekommission bei den afghanischen Präsidentschaftswahlen seine Aufgabe. Und Grant Kippen genießt die Aufgabe sogar. Von Willi Germund

Grant Kippen ist Chef der afghanischen Beschwerdekommission für die
Präsidentenwahl.
Grant Kippen ist Chef der afghanischen Beschwerdekommission für die Präsidentenwahl.
Foto: dpa

Grant Kippen ist ein Mann für schwierige Fälle, auch wenn er das nie zugeben würde. "Es ist aufregend, Teil dieses demokratischenProzesses zu sein", beschreibt der aus Kanada stammende Chef der Beschwerdekommission bei den afghanischen Präsidentschaftswahlen seine Aufgabe. Es gibt reichlich Betrugs- und Manipulationsvorwürfe.

Kippens Job klingt zunächst gar nicht aufregend. Es geht um die Einhaltung strenger Regeln, um Vorschriften und klar abgesteckte Prozesse. Er braucht Fingerspitzengefühl.

Kein Wunder, dass Kollegen ihn als "vorsichtigen" und "abwägendenMann" beschreiben. Aber gerade solche Leute setzen die Vereinten Nationen gern in Regionen ein, die man mit einem "Pulverfass" vergleicht. Sei es Ost-Timor, der Irak, die Ukraine, Algerien oder Kambodscha: Kippen war immer dabei, wenn auch nicht immer in UN-Diensten.

Der Kanadier, der einst unter Premierminister Pierre Trudeau arbeitete, ist ein Mann, der aufgeregte Politiker beruhigen kann und selbst Journalisten beeindruckt. Manchmal hatte Kippen auch einfach nur Glück. So hatte er ein Zimmer im Marriot-Hotel in Pakistans Hauptstadt Islamabad gemietet, als es von einem Selbstmordattentäter in Schutt und Asche gelegt wurde. Doch Kippen kam ungeschoren davon, weil er gerade zu einem Termin unterwegs war.

Afghanistan-Wahl im Schatten der Gewalt

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Stur wie ein Paragrafenreiter

Wenn jemand so knapp dem Tod entkommen ist, wäre mehr Vorsicht verständlich. Doch Kippen zögerte keine Sekunde, als ihn der Ruf an die Spitze der Beschwerdekommission ereilte. Dabei muss dem Wahlexperten von Anfang an klar gewesen sein, wie brisant der Posten ist. Schließlich waren schon vor dem Urnengang viele Manipulationen erkennbar. Kippen wusste, dass er als Korrektiv einer Wahlkommission fungieren würde, deren Mitglieder Präsident Hamid Karsai verpflichtet sind.

Stur wie ein Paragrafenreiter hielt er sich seit dem 20. August an das Regelwerk der Wahlen und konnte so verhindern, dass Karsai gleich seine Regierungsmacht nutzte, sich als Sieger darzustellen. Inzwischen ist Kippens Position noch unbequemer geworden. Er findet sich zwischen allen Fronten wieder. Auf der einen Seite trifft ihn die Wut der afghanischen Regierung wegen der Betrugsvorwürfe, auf der anderen behauptet Oppositionsführer Abdullah Abdullah, es sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Dann klopfen noch die zerstrittenen Vertreter westlicher Staaten bei ihm an, um über Vor- und Nachteile einerStichwahl zu reden.

"Mir wird oft gesagt, dass mich kaum jemand um meine gegenwärtige Aufgabe beneidet", sagt Kippen. In Wahrheit dürfte der stille Mann im stillen Kämmerchen seinen Job wohl genießen.

Autor:  Willi Germund
Datum:  18 | 9 | 2009
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