Dieter Jasper saß gestern Mittag sehr ernst, aber ruhig im Sitzungssaal 2600 des Berliner Paul-Löbe-Hauses - im Wirtschaftsausschuss des Bundestages. Ihm gegenüber Wolfgang Tiefensee, der Ex-Verkehrsminister der SPD, etwas weiter rechts Christian Lindner, Generalsekretär der FDP - Prominente der deutschen Politik. Jasper, 47, würde offensichtlich gern dazugehören.
Er ist seit September Bundestagsabgeordneter der CDU im Wahlkreis Steinfurt III, im schönen Münsterland. Nur, wenn Dieter Jasper - bis Oktober noch Dr. Dieter Jasper - Pech hat, dann gehört er bald nicht mehr dazu. Denn seinen Doktortitel hat er anscheinend käuflich erworben - und zwar an der Freien Universität Teufen in der Schweiz. Norbert Lammert, Bundestagspräsident von der CDU und seit 1975 nach allem, was man bisher weiß, rechtmäßiger Doktor der Sozialwissenschaften, muss jetzt entscheiden, ob er gegen Jaspers Wahl Widerspruch einlegt.
Jaspers münsterländischer CDU-Kollege Jens Spahn sagt, dieser sei "engagiert und menschlich sehr angenehm. Die ganze Diskussion tut mir sehr leid für ihn." Im Umkreis des CDU-Kreisvorsitzenden Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen, sieht man das anders. Dort heißt es: "Die Affäre passt zu ihm."
Jasper studierte Betriebswirtschaft in Münster, war als Unternehmensberater bei Kienbaum tätig und ist es heute in der Firma seines Vaters, der Behälter- und Apparatebau Josef Jasper in Hopsten. Kritiker glauben, er habe "früh kalkuliert, wann er was werden muss". Und 2009 musste er augenscheinlich Bundestagsabgeordneter werden, schlug zwei innerparteiliche Konkurrenten aus dem Feld und schlussendlich auch noch den SPD-Kandidaten Reinhold Hemker - allerdings mit bloß zwei Prozentpunkten Vorsprung. Das ist nun Jaspers Problem.
Unabhängig davon nämlich, dass die Staatsanwaltschaft wegen des Führens falscher Titel ermittelt, glauben SPD, Grüne und Linkspartei, ohne Doktortitel hätte Jasper womöglich verloren - und wollen die Wahl wiederholt sehen. Darüber muss nach dem Bundestagspräsidenten zunächst der Wahlprüfungsausschuss und abschließend das Plenum des Parlaments befinden.
Jasper übrigens erweckt öffentlich den Eindruck, er sei von jener Freien Universität Teufen getäuscht worden, obwohl die als solche in der Schweiz nicht anerkannt ist und weder über Mitarbeiter noch über eine eigene Internetseite verfügt. Ansonsten schweigt er und lässt, schon nach einem Vierteljahr, seine Bundestags-Homepage überarbeiten. An Mandatsverzicht denkt der Ex-Doktor nicht. "Für ihn", lässt sein Büro ausrichten, "ist alles gesagt."
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