In der Politik mahlen die Mühlen langsam. Aber manchmal es gibt Situationen, in denen die Dinge recht schnell in Bewegung gebracht werden. Die Europäische Union wird vom 1. Oktober an mit 200 zivilen Beobachtern den Abzug der russischen Streitkräfte aus dem georgischen Kernland überwachen. Vor gerade einmal zwei Wochen hat sie das mit Russen und Georgiern vereinbart. Die Zeit läuft, der Start der Mission rückt näher. Der Einsatz ist ein wichtiger Baustein für den Frieden im Kaukasus und ein Prestige-Projekt für die Europäische Union. Es gibt viel zu organisieren, aber nichts darf schief gehen.
Hansjörg Haber ist der Mann, der den Erfolg bringen soll. Der deutsche Diplomat koordiniert den Aufbau der Mission und wird sie dann auch leiten. So haben es die EU-Staaten unlängst auf Empfehlung des Außenbeauftragten Javier Solana beschlossen. Das Auswärtige Amt in Berlin ist sehr stolz darauf, dass einer seiner Top-Beamten zum Zuge gekommen ist. Mit Haber sei ein "sehr qualifizierter Bewerber" ausgewählt worden, heißt es.
Der 55 Jahre alte Münchner gilt als Spezialist fürs Krisenmanagement. Zuletzt leitete er die deutsche Botschaft im Libanon, davor war er in der Zentrale des Außenamts Referatsleiter für Grundsatzfragen der Vereinten Nationen. Zwei Mal arbeitete Haber im Laufe seiner Karriere bisher in Moskau. Der studierte Volkswirt spricht fließend Russisch, was seine künftige Arbeit deutlich erleichtern dürfte.
Die 200 EU-Beobachter in Georgien werden unbewaffnet sein. Es handelt sich um zivile Sicherheitsexperten im weitesten Sinne, die meisten von ihnen sind Polizisten. Die Auswahl in den Mitgliedstaaten läuft auf Hochtouren. Deutschland will 40 Frauen und Männer entsenden und wird damit neben Frankreich und Italien eines der größten Kontingente stellen. Es geht bei dem Einsatz auch darum, die Rückkehr der Flüchtlinge zu beobachten und vor Ort zum Abbau von politischen Spannungen beizutragen. Georgien soll so schnell wie möglich wieder zur Normalität zurückfinden.
Eines wissen Haber und seine Leute freilich noch nicht: Wo überall sie in Zukunft tätig sein werden. Zunächst sollen sie im Grenzgebiet zu den abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien arbeiten. Grundsätzlich verlangen die Europäer auch Zutritt in diese Gebiete; denn nach EU-Lesart sind sie weiterhin Teil Georgiens. Das weisen die Russen zurück. Sie haben Südossetien und Abchasien als unabhängig anerkannt und rüsten dort kräftig auf. Die EU hofft, den Streit bei der geplanten Kaukasus-Konferenz Mitte Oktober entschärfen zu können. Wie gesagt, sie hofft.
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