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Porträt: Ein harter Hund

Regieren bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Álvaro Uribe hat gute Chancen, zum dritten Mal zum Präsidenten Kolumbiens gewählt zu werden. Er gilt als pro-kapitalistisch und USA-treu. Das ist selten in Südamerika. Von Wolfgang Kunath

Regieren bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Álvaro Uribe, Präsident Kolumbiens.
Regieren bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Álvaro Uribe, Präsident Kolumbiens.
Foto: rtr

Mit 57 Jahren sieht er immer noch ein bisschen aus wie der Klassenbeste, der er einst als Abiturient war, und heute hält ihn tatsächlich eine riesige Mehrheit der Kolumbianer für den Besten. Álvaro Uribe, seit sieben Jahren Präsident und mittlerweile praktisch der einzig eindeutig rechte Politiker im links bis linksliberal regierten Südamerika, hat großen Rückhalt in der Bevölkerung, so viel, dass er wohl im nächsten Jahr gute Chancen hat, zum dritten Mal gewählt zu werden.

Seit rund 100 Jahren amtiert der Präsident in Kolumbien nur ein Mandat lang; Uribe ließ schon für seine zweite Amtszeit die Verfassung ändern, und dass dafür die Abgeordnete Yidis Medina geschmiert wurde, wie sie später sagte, hat Uribe stets dementiert. Jetzt will er´s noch einmal wissen - genau wie sein regionaler Antipode Hugo Chávez, Venezuelas sozialistischer Präsident.

Die Lust am Regieren bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ist nicht die einzige Eigenschaft, die die beiden politisch so konträren Männer eint. So dezidiert Chávez seinem Sozialismus anhängt, so entschieden ist Uribe pro-kapitalistisch und USA-treu; dass er den Amerikanern jetzt die Benutzung von sieben Militärstützpunkten anbietet, was Chávez in Harnisch bringen muss, ist der jüngste Beweis. Wenn sich Chávez zu einer Art Nachfolger des Befreiers Simón Bolívar stilisiert, so tritt Uribe, wenn auch ohne historischen Bezug, nicht weniger messianisch auf.

Anwalt, Großagrarier und vor allem Berufspolitiker

Ein harter Hund ist der eine wie der andere. Uribe ist von Beruf zwar Anwalt, Großagrarier und vor allem Berufspolitiker, aber dem Militär steht er mindestens ebenso nahe wie Oberstleutnant Chávez. Als er 2002 den Amtseid leistete, feuerte die Guerrilla mitten in der Hauptstadt Bogotá Raketen ab. Heute hat Uribes Politik der harten Hand die beiden linken Freischärler-Gruppen beträchtlich geschwächt.

Seit 2000 hat Washington die Guerrilla- und Drogenbekämpfungspolitik Kolumbiens mit mehr als fünf Milliarden Dollar und Hunderten Militärberater unterstützt. Die rechten Paramilitärs haben durch Uribes Politik an militärischer Bedeutung verloren. Aber ihren Chefs ist es dafür gelungen, die Politik zu infiltrieren - bis hinauf in die engste Umgebung des Präsidenten. Und auch wenn sich Uribe neben der Sicherheit die Demokratie auf die Fahnen geschrieben hat - missliebige Journalisten werden eindeutig behindert und verfolgt.

Der größte Horror in letzter Zeit sind freilich die so genannten "falsos positivos", die Uribe, auch wenn er wohl nichts davon wusste, politisch zu verantworten hat: Teile der Armee haben zahllose harmlose Männer erschossen, um die Leichen als Erfolge im Guerrilla-Kampf präsentieren zu können.

Autor:  Wolfgang Kunath
Datum:  6 | 8 | 2009
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