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27. Mai 2009

Porträt Eva Brunne: Sie ist eine Bischöfin - und lesbisch

 Von HANNES GAMILLSCHEG
Bischöfin Eva Brunne: Ihre Anhänger schwärmen von ihrer "natürlichen Autorität", ihrem Begeisterungsvermögen, der Fähigkeit, "das Ganze zu sehen" und sich nicht in Details zu verlieren. Foto: privat

In Schweden wird die 55-jährige Eva Brunne zur Stockholmer Bischöfin gewählt. Kleine Randnotiz: Brunne ist eine bekennende Lesbe. Von Hannes Gamillscheg

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Es gibt Kirchen, in denen Frauen nicht ordiniert werden können, geschweige denn ein Bischofsamt bekleiden. Es gibt Kirchen, die Homosexualität als Sünde sehen und Schwule und Lesben von den Sakramenten ausschließen. Und es gibt Kirchen, die die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder sexueller Neigungen hinter sich gelassen haben.

Die lutherische Kirche in Schweden zählt dazu. Dort ist nun die 55-jährige Eva Brunne zur Stockholmer Bischöfin gewählt worden. Sie ist, so weit bekannt, weltweit die erste offen lesbische Frau in einem so hohen Kirchenamt.

Bezeichnend für die Stimmung in Schweden ist, dass Brunnes Homosexualität im Wahlkampf keine Rolle spielte. Dass die 1978 zur Pastorin geweihte Kandidatin mit Gunilla Lindén - auch sie Pfarrerin in der "Svenska Kyrkan" - in einer registrierten Partnerschaft lebt, ist bekannt und nur bei einer kleinen fundamentalistischen Minderheit Grund für Aufregung. Brunne war die Favoritin der kirchlichen Basis bei der Wahl durch die Pastoren des Stockholmer Stifts.

Ihre Anhänger schwärmen von ihrer "natürlichen Autorität", ihrem Begeisterungsvermögen, der Fähigkeit, "das Ganze zu sehen" und sich nicht in Details zu verlieren. Schon im ersten Wahlgang lag sie unter acht Kandidaten vorn, in der Stichwahl setzte sie sich mit 413 gegen 365 Stimmen gegen den letzten Mitbewerber durch.

Sie tritt für eine offene Kirche ein und nennt die Umstellung auf eine multiethnische, multireligiöse Gesellschaft die größte Herausforderung. "Die Vielfalt ist ein großer Reichtum" sagt sie. "Froh und stolz" sei sie, einer lutherischen Kirche anzugehören, in der "mündige Menschen selbst Stellung beziehen und Verantwortung übernehmen."

Nach 16 Jahren als Pfarrerin in Stockholm arbeitete sie zuletzt im Bischofsamt. In ihrer Freizeit liest sie Krimis ebenso wie Theologie und schnitzt in einer Tischlerei. "Was tut man nicht alles, um Jesus zu ähneln?", kommentiert sie ihr Hobby mit der ihr eigenen Selbstironie.

Während es weltweit mehrere offen schwule Bischöfe gibt - in den USA durfte Gene Robinson sogar das Gebet bei der Inauguration von Präsident Obama leiten -, ist Brunne die erste lesbische Bischöfin. An ihrer Amtsführung wird dies kaum viel ändern. Bei der Trauung Homosexueller muss sie die Haltung der Kirche nicht reformieren.

Ihre Vorgängerin Caroline Krook, die erste Frau auf Stockholms Bischofssitz, hat sich in der auch in schwedischen Kirchenkreisen umstrittenen Frage klar für die Homoehe mit kirchlichem Segen ausgesprochen. Dass Brunne einen von ihrer Partnerin geborenen dreijährigen Sohn hat, sei "keine große Sache", sagt sie, "im Bischofshof ist viel Platz. Warum sollte eine Bischöfin keine Kleinkinder haben?"

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