Dies sei "eine schmerzliche Entscheidung. Ich habe gehofft und gebetet, sie nie treffen zu müssen. Nach eingehender Überlegung bin ich aber überzeugt, keine Wahl zu haben, als Gläubigerschutz nach Kapitel 11 zu beantragen."
Mit diesen Worten hat Bischof Francis Malooly die rund 230.000 Seelen des katholischen Bistums Wilmington im US-Staat Delaware über jenen dramatischen Schritt informiert, mit dem er seinen Sprengel zu retten versucht. Malooly ist in den USA schon der siebte Bischof, dessen Diözese sich im Zuge des Missbrauchs-Skandals in den Gläubigerschutz rettet. Das traditionsreiche Bistum Wilmington, dem auch Vizepräsident Joe Biden angehört, ist das erste an der Ostküste, dem unter der Last der Entschädigungsforderungen von Opfern priesterlichen Missbrauchs der finanzielle Ruin droht.
Laut Gerichtsakten hat der Sprengel von Bischof Malooly bei einem geschätzten Vermögen von 100 Millionen Dollar schon jetzt Verbindlichkeiten von etwa 500 Millionen Dollar angehäuft - und seit Montag rollt eine neue Prozesswelle. Ein Gesetz hatte die Verjährungsfrist ausgesetzt, und in der Folge gingen gegen das Bistum 131 neue Missbrauchsklagen ein. Die erste, gegen den entlassenen Priester Francis DeLuca, wird seit Montag verhandelt. Ein heute 57 Jahre alter ehemaliger Altarjunge wirft dem Ex-Priester vor, ihn vor Jahrzehnten sexuell misshandelt zu haben. Allein gegen DeLuca, der 35 Jahre lang im Dienste der Diözese stand, liegen 20 weitere Klagen vor.
Gläubigerschutz nach Kapitel 11 soll in den USA überschuldeten Unternehmen eine Chance für den Neubeginn geben. Prominente jüngste Beispiele sind General Motors und Chrysler. In Wilmington aber hat die dunkle Vergangenheit nun das Bistum von Francis Malooly eingeholt. Dabei amtiert der 65-jährige Bischof erst seit einem Jahr in der Cathedral of Saint Peter. Zwar stammt Malooly, der im nahen Baltimore geboren wurde, aus einer katholischen Priesterfamilie. Sein Onkel, selbst Bischof, hatte ihm einst die Priesterwürde verliehen. Mancher in Wilmington aber hoffte mit seiner Ankunft auf einen Neuanfang, nachdem der Missbrauchs-Skandal für die 1869 gegründete Diözese zur schwersten Krise ihrer Geschichte geworden war.
Doch der Konkursantrag legte die alten Wunden wieder bloß. Er hoffe, der Schritt möge eine faire Entschädigung der Opfer erlauben, begründete der Bischof seine Entscheidung. Sonst wären diejenigen, deren Klage zuletzt behandelt würde, voraussichtlich leer ausgegangen. Opferanwälte wie Irwin Zalkin indes kritisierten umgehend, die Kirche wolle sich mit dem Gang zum Konkursrichter vor der Verantwortung und einer vollen Entschädigung drücken.
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