Professor oder Bischof - auf eines von beidem werde es hinauslaufen. Da waren sich schon die Kommilitonen sicher, die mit dem heute 45 Jahre alten Franz-Josef Overbeck im römischen Elitekolleg "Germanicum" Theologie studierten. Dass Overbeck jetzt auf dem Essener Bischofssitz und nicht auf einem Lehrstuhl Platz nimmt, macht für seinen Habitus keinen großen Unterschied: Den Intellektuellen verleugnet er als Hierarch ebenso wenig, wie er als Akademiker mit seiner Verbundenheit zur Kirche hinter dem Berg hält.
Einmal Römer, immer Römer, sagt der 1989 vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger zum Priester geweihte Geistliche - und formuliert damit eine unverkrampfte Loyalität mit seiner Kirche. Die schließt die Kritik an Missständen ausdrücklich ein: Kaum einer im deutschen Episkopat analysiert so schonungslos wie er, dass hinter der volkskirchlichen Fassade sehr viel Tristesse und Kleingeistigkeit gähnt - mit massiven Folgen für die gesellschaftliche Präsenz der Kirche und ihrer Botschaft. "Unsere Moralverkündigung", sagte Overbeck, "krankt daran, dass die sittliche Kraft des Glaubens bei vielen Menschen, auch bei vielen Christen, ziemlich erloschen ist."
Mit solchen Erkenntnissen gewappnet, kommt der bisherige Weihbischof aus dem vergleichsweise "gut katholischen" Münster in ein schwer gebeuteltes Bistum. Mitgliederschwund, Priestermangel, Pfarreiensterben, Geldnot - diese Phänomene haben im "Ruhrbistum" nach jahrelangem Wegschauen zu einem besonders schmerzhaften Kahlschlag geführt. Sprechendste Zahlen: 40 Millionen Euro Schulden, fast 100 Kirchenschließungen.
Trotzdem hat sich Overbeck sogleich als "der neue Ruhrbischof" eingeführt und damit an das Selbstverständnis seines Vorvorgängers Franz Hengsbach angeknüpft. Wie dieser lebt auch Overbeck lustvoll das Katholische. Seine bischöflichen Insignien etwa - vom Brustkreuz bis zur Soutane, gefertigt beim Papstschneider Gammarelli in Rom - trägt er so selbstverständlich wie andere Jeans und Halskettchen. Das hat freilich weniger mit Eitelkeit oder rituellem Gehabe zu tun als mit einem klaren Rollenbild: wenn schon Bischof, dann auch mit allem Drum und Dran.
Dass Overbeck sich damit absolut mediengerecht verhält, ist kein Zufall. Der Jüngste unter den 27 deutschen Bistumschefs weiß um den Wert der "Verkaufe" und ist im Gegensatz zu manchem seiner Mitbrüder auch hinreichend mediengewandt. Im Gespann mit der am Tag seiner Ernennung neu gewählten EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann könnte Overbeck auch einen neuen evangelisch-katholischen Auftritt etablieren: selbstbewusst, entschieden, gelassen.
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