Regina van Dinther kommt aus kleinen Verhältnissen und erzählt gern davon. Mittlerweile verdient sie groß und schweigt dazu. Weil die CDU-Frau Präsidentin des Düsseldorfer Landtags ist, sitzt sie qua Amt in vielen lukrativen Gremien. Zum Beispiel im Regionalbeirat der RAG, des großen Bergbaukonzerns aus dem Ruhrgebiet. Dort verbrachte van Dinther vier Stunden im Jahr auf Sitzungen und kassierte 30.000 Euro. Erstaunlich fand die Ingenieurin dies zunächst nicht. Ein solches Salär sei üblich.
Jetzt hat die 51-Jährige plötzlich doch eingeräumt, dass die Zahlungen nicht richtig waren, und größere Spenden für eine evangelische Stiftung angekündigt. Offenbar ist ihr die ungewohnte Kritik an ihrer Person auf den Magen geschlagen. Die Christdemokratin duckt sich weg, hat in dieser Woche sogar Karnevalssitzungen abgesagt, bei denen die formal höchste Amtsträgerin Nordrhein-Westfalens mit roter Pappnase Witze erzählen müsste.
Obendrein taucht noch ein Brief des ehemaligen Schatzmeisters aus ihrem Kreisverband auf, nachdem sie Mitgliedsbeiträge schuldig sein soll. "Alles Unsinn", sagt Regina van Dinther, einen Beweis bleibt sie abermals schuldig. Auch die gut bezahlten RAG-Sitzungen, behauptet Dinther einfach, bedürften einer längeren Vorbereitung. Bürgermeister, die ebenfalls in dem beratenden Gremium zum Kohleausstieg sitzen, widersprechen: Was in der Konzernzentrale bei Kaffee und Keksen besprochen wurde, sei alltägliche Politik im Westen. Schließlich stehen die Zechenschließungen seit Jahren an.
Bislang ist die 51-Jährige so etwas wie das moralische Gesicht der Rüttgers-Regierung. In ihrer Antrittsrede und bei vielen weiteren Äußerungen beschwört die Frau mit dem brünetten Igelhaarschnitt stets die Tugend der Genügsamkeit. "In den Landtag zieht eine neue Bescheidenheit ein", sagte van Dinther. Wie eine Werbemarke trägt sie ihre bescheidene Kindheit "ohne Auto und Urlaub" in einem Reihenhaus im Ruhrgebiet vor sich her. Schon als Kind war sie in der katholischen Kirche aktiv, über die sie später zur CDU fand. Hier kümmerte sie sich um Frauenpolitik und war bis zur Landtagswahl 2005 ein stilles Gewächs. Revolutionäre Forderungen aus der Frauenunion waren in NRW nie zu hören - auch nicht, als Jürgen Rüttgers sein schwarz-gelbes Männerkabinett vorstellte.
Mau ist nun auch die Verteidigung aus der CDU-Strategiezentrale. Mitten im Wahlkampf eine Frau an der Spitze zu haben, die als raffgierig gilt, ist denkbar ungünstig für Sozialpapst Rüttgers. Für seine CDU wäre van Dinthers Rückzug dennoch ein großer Verlust. Unter den 15 nominierten Kandidaten auf der Landesliste finden sich nur wenige Frauen.
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