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Porträt: Haider - der Spalter

Als einziger Politiker Österreichs war Jörg Haider seit Jahrzehnten über die Grenzen des Landes bekannt - und heftig umstritten. Ein Porträt.

Jörg Haider.
Jörg Haider.
Foto: dpa

Wien. Als einziger Politiker Österreichs war Jörg Haider seit Jahrzehnten über die Grenzen des Landes bekannt - und heftig umstritten. Er machte die Freiheitliche Partei (FPÖ) zur erfolgreichsten rechtspopulistischen Kraft Europas. Die FPÖ stieg im Jahr 2000 unter seiner Führung in die Regierung auf.

Für Haider erfüllte sich sein Traum vom Einzug ins Kanzleramt aber nicht. Er regierte nur im südlichen Bundesland Kärnten. Am Stadtrand von Klagenfurt starb der 58-Jährige Samstagmorgen bei einem Autounfall auf dem Heimweg in sein Haus im Kärntner Bärental.

Vor knapp zwei Wochen hatte Haider bei der Parlamentswahl mit einem Wahlerfolg seine Rückkehr in die Bundespolitik gefeiert. Als Kanzlerkandidat für das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) verdreifachte er den Stimmenanteil seiner jungen Partei fast auf elf Prozent. Mehr als zwanzig Jahre zuvor hatte Haider die Stärkung der FPÖ in Angriff genommen.

Als er 1986 Parteichef wurde, drohte die FPÖ aus dem Parlament zu fliegen. Bei der Wahl 1999 wurde sie mit 27 Prozent der Stimmen zur zweitstärksten politischen Kraft.

Das Ansehen des Landes beschädigte Haider mit Äußerungen zur Zeit des Nationalsozialismus. So hatte er 1991 die Beschäftigungspolitik des Dritten Reichs als "ordentlich" gelobt und Konzentrationslager als "Straflager" bezeichnet.

Für internationale Schlagzeilen sorgte Haider auch mit Besuchen beim ehemaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein und dem libyschen Staatschef Muammar Gaddafi. Aus Protest gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ verhängte die Europäische Union im Jahr 2000 Sanktionen gegen ihr Mitglied Österreich, die mehrere Monate aufrecht blieben.

Machtkampf und Parteispaltung

In der Koalition mit der konservativen Volkspartei (ÖVP) rieb sich Haider in Machtkämpfen mit dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und seinem politischen Ziehsohn Karl-Heinz Grasser auf, der als Finanzminister von der FPÖ ins Team der ÖVP wechselte. Politisch oft für besiegt erklärt, kehrte Haider immer wieder mit Erfolg zurück.

Im Jahr 2005 spaltete der FPÖ-Chef seine Partei und blieb mit seiner neuen Fraktion BZÖ in der Regierung mit der ÖVP. Die FPÖ übernahm sein um fast zwanzig Jahre jüngerer Rivale Heinz-Christian Strache. Der Wiener eiferte seinem früheren Idol so deutlich nach, dass Haider ihn als "Raubkopie" verhöhnte.

Während Haider für seine Verhältnisse zuletzt gemäßigt auftrat, warb Strache aggressiv um Wähler. FPÖ und BZÖ bekamen bei der Parlamentswahl vor allem von Bürgern unter 30 Jahren Stimmen, die ihre Forderung nach einer Beschränkung der Einwanderung und härterem Vorgehen gegen ausländische Straftäter unterstützten. Haider setzte sich auch für die Zahlung eines Teuerungsausgleichs ein, um für die Bevölkerung die gestiegenen Kosten für Treibstoff und Lebensmittel zu mildern.

In seiner politischen Karriere gelang es Haider, die Vorherrschaft von Sozialdemokraten (SPÖ) und Konservativen (ÖVP) zu brechen. SPÖ und ÖVP lagen Mitte der 80er Jahre noch deutlich über 40 Prozent. Vor zwei Wochen stürzten sie auf knapp 30 und rund 26 Prozent ab. FPÖ und BZÖ zusammen genommen hatten dagegen 29 Prozent der Stimmen erreicht.

Haider wurde am 26. Januar 1950 in Bad Goisern geboren. Er studierte Rechtswissenschaften. Der Oberösterreicher war von Jugend an politisch tätig. Im Jahr 1979 wurde er erstmals für die FPÖ ins Parlament gewählt. Haider war verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Töchtern. (rtr)

Autor:  ALEXANDRA ZAWADIL
Datum:  11 | 10 | 2008
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