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13. Juni 2010

Porträt Iveta Radicova: Tigerin von der Tatra

 Von Kilian Kirchgeßner
Iveta Radicova bildet wahrscheinlich die nächste slowakische Regierung.Foto: rtr

Nach der Parlamentswahl steht die Slowakei nun vor einem Regierungswechsel. Die Wahlsiegerin Iveta Radicova will nun die Wirtschaft fördern und dass ohne dabei die Leute zu überfordern. Von Kilian Kirchgeßner

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Bis zur letzten Minute hat Iveta Radicova gekämpft. Selbst als sie im Wahllokal ihre Stimme abgab, wiederholte sie vor den Fernsehkameras ihre Botschaft vom Wechsel, den die Slowakei so dringend benötige. Zu dem Zeitpunkt sah es noch nicht so aus, als würde die 53-Jährige selbst dazu die Chance bekommen.

Dass Iveta Radicova in Bratislava vermutlich zur neuen Premierministerin wird, ist eine kleine Sensation: In der Region ist sie die erste Frau, die ein solches Spitzenamt bekleidet, und politisch bedeutet ihre Wahl eine radikale Neuorientierung für die Slowakei. Nachdem vier Jahre lang der Linkspopulist Robert Fico an der Macht war, dürfte Radicova jetzt mit ihren Koalitionspartnern einen wirtschaftsliberalen Kurs einschlagen. "Die stärkste Sozialpolitik ist es, wenn die Menschen von ihrem eigenen Einkommen leben können", hat sie verkündet. Mit diesem Credo umreißt sie das drängendste Problem der Slowakei: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, in manchen Regionen im Osten liegt sie bei über 30 Prozent.

Iveta Radicova verkörpert einen neuen Politikertypus in Mitteleuropa. Erst spät ist sie in die hohe Politik gelangt, zuvor hatte sie an der Universität Bratislava eine Soziologie-Professur. Studiert hat Radicova in der Slowakei und ist gleich nach der politischen Wende nach Oxford gegangen. Dass sie nicht um ihrer Karriere willen in die Politik wechselte und nicht in die alten Machtseilschaften verstrickt ist, rechnen ihr viele Slowaken hoch an. Ins Scheinwerferlicht geriet sie zum ersten Mal vor einem Jahr, als sie zur Wahl als Staatspräsidentin antrat. Die Oppositionskandidatin unterlag damals nur knapp.

Viele Slowaken trauen Iveta Radicova zu, als Premierministerin das Ruder herumzureißen. Ihre Partei hat reichlich Erfahrung mit Reformen; von 2002 bis 2006 hat die Regierung von Radicovas Parteifreund Mikulas Dzurinda das Land umgekrempelt. Die Reformen haben dem einstmals maroden Land den Beinamen "Tiger an der Tatra" eingebracht, reihenweise strömten die Investoren in die Slowakei, und der Weg war geebnet für den Beitritt zur Euro-Zone im Jahr 2009. Die sozial Schwachen allerdings fühlten sich vom Reformtempo überfordert und verhalfen 2006 dem Linkspopulisten Robert Fico an die Macht. Seine Regierung war in zahlreiche Skandale verwickelt, bei Investoren verlor das Land an Attraktivität.

Iveta Radicova steht nun vor zwei Herausforderungen: Sie hat versprochen, das Land auf den einstigen Wachstumskurs zurückzuführen - und sie weiß, dass sie diesmal mehr Rücksicht auf sozial Schwache nehmen muss. Viele trauen ihr den Spagat zu. Sie kann gut auf Menschen zugehen und wirkt nicht abgehoben.

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