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Porträt Juanita Castro: Schwesterliche Feindberührung

Pikantes Geständnis: Die Schwester von Fidel und Raúl Castro kooperierte mit dem CIA. In einem achtteiligen Fernsehinterview packt sie jetzt aus und steckt vor allem eines ein: US-Dollar. Von Sebastian Gehrmann

Juanita Castro etablierte sich im Exil als begehrte Regimekritikerin. Archivbild vom 25. September 1970.
Juanita Castro etablierte sich im Exil als begehrte Regimekritikerin. Archivbild vom 25. September 1970.
Foto: getty

Anfang der 60er, zu einer Zeit, als US-Agenten, so erzählt es die kommunistische Propaganda, mehr oder weniger täglich und mehr oder weniger kreativ Revolutionsführer Fidel Castro zu ermorden versuchen, hört eine junge Kubanerin regelmäßig zwei Lieder über ihr Kurzwellenradio. Das eine ist ein langsamer Walzer, das andere eine Ouvertüre aus Puccinis Madame Butterfly. Auf den Walzer folgt eine verschlüsselte Botschaft des CIA. Die Ouvertüre bedeutet: Kein neuer Auftrag vom Klassenfeind. Ein paar Jahre geht das so, dann geht Spion "Donna" 1964 nach Florida ins Exil.

Nun, mehr als 30 Jahre später, erfährt die Welt, wer Donna wirklich ist. Einem spanischsprachigen TV-Sender in Miami offenbarte sich Juanita Castro, die jüngere Schwester des "Máximo Líder".

Die Geschichte der heute 76-Jährigen klingt so: Der Kalte Krieg tobt auch vor Kuba, die Amerikaner haben gerade ihr außenpolitisches Fiasko in der Schweinebucht erlebt, als Juanita Castro erstmals nach Mexiko fliegt, um in einem Nobelhotel den CIA-Mitarbeiter Tony Sforza zu treffen, der sich "Enrique" nennt. Einst war Juanita eine glühende Anhängerin der Revolution, sie verehrt die sozialistischen Visionen, doch je kompromissloser die Castros ihre Macht manifestierten, desto mehr distanziert sie sich von ihrem berühmt-berüchtigten Clan. "Kein Geld, keine Gewalt" - zu diesen Bedingungen ist sie schließlich bereit, die Familie zu infiltrieren.

Begehrte Regimekritikerin

Ihr Auftrag: Agenten in Kuba, deren Enttarnung unmittelbar bevorstehen könnte, zu schützen. Sie schmuggelt Dokumente, Bargeld und Nachrichten in Lebensmittelbüchsen auf die Insel. Regimegegner und Oppositionelle tauchen in ihrem Haus in Havanna unter. Und auch wenn sie kein Regierungsamt bekleidet und keinen Zugang zu Staatsgeheimnissen hat, allein sie angeworben zu haben, war für die USA ein Erfolg. Im Exil etabliert sich Juanita Castro als begehrte Regimekritikerin. Selbst als ihre Geheimdiensttätigkeit 1969 endet, sie nun in einer Apotheke in Miami arbeitet, tritt sie noch lautstark für die Sache der Exil-Kubaner ein.

Aber natürlich ist das alles kein Zufall. Nicht die Enthüllung. Nicht der Zeitpunkt. Wer auspackt, der steckt nicht selten ein. In Spanien, Kolumbien, Mexiko und den USA erscheint gerade "Fidel und Raúl, meine Brüder. Die geheime Geschichte", Juanitas Autobiografie, 432 Seiten stark. Gemeinsam mit US-Journalistin María Antonieta Collins hat sie ihre Memoiren aufgeschrieben. Collins ist es auch, die das Fernsehinterview führt. In acht Teilen wird das Gespräch nun ausgestrahlt. Es ist Teil einer aufwendigen Marketingkampagne. Es verspricht weitere, spektakuläre Enthüllungen. Viva capitalismo.

Autor:  Sebastian Gehrmann
Datum:  27 | 10 | 2009
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