Politik
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22. August 2010

Porträt: Kapitalist für alle

 Von Tanja Kokoska
Seit gut drei Jahren existiert die Online-Kredit-Plattform Smava. Foto: ddp

Alexander Artopé ist Mitbegründer der Online-Kredit-Plattform Smava. Seit drei Jahren ist Smava online und hat bislang nach eigenen Angaben insgesamt 34 Millionen Euro an Krediten vermittelt.

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Ob Alexander Artopé wohl ein Fan der „Lindenstraße“ ist? Spätestens seit den Folgen 1289 und 1290 des ARD-Dauerbrenners – gesendet an den beiden vergangenen Sonntagen – müsste der Gründer und Geschäftsführer der Online-Kredit-Plattform Smava es eigentlich sein.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse: Helga Beimer und Erich sind pleite, ihr Reisebüro müssen sie aufgeben. Ex-Angestellter Alex und Ex-Auszubildende Josi planen, den Laden zu übernehmen. Nur: Wer soll das bezahlen? Im Internet entdeckt Alex eine Privatkreditbörse, eine Art Ebay für Leute, die Geld brauchen, und für solche, die es verleihen wollen. Nach dem Auktionsprinzip bieten mehrere Anleger auf Alex’ Reisebüroprojekt – und flugs hat er die nötige Summe beisammen.

Im Fernsehen heißt das fiktive Internet-Portal „Kapital für alle“. In der Realität funktioniert www.smava.de nach derselben Methode: Wer einen Kredit braucht, beschreibt online seinen Wunsch – bis maximal 50000 Euro – und gibt an, welchen Zinssatz er zu zahlen bereit ist. Die Anleger können entscheiden, wie viel Geld sie in welchen Wunsch investieren wollen. Kommt das Geschäft zustande, profitieren beide Seiten davon: Der Kreditnehmer muss niedrigere Zinsen zahlen als üblich, der Anleger erhält eine höhere Rendite als bei anderen Geldanlagen.

Geld von Mensch zu Mensch

Als der heute 40-jährige Alexander Artopé 2005 die Smava GmbH mitbegründete, scheint er geahnt zu haben, dass diese Art der Kreditfinanzierung zukunftsfähig sein könnte: „Viele Menschen möchten selbst entscheiden, wem sie ihr Geld geben und was damit geschieht“, sagt er. Wollen sie mit ihrem Anteil einer Familie das neue Kinderzimmer finanzieren – statt in einen Fonds zu investieren, der womöglich Unternehmen unterstützt, die Streubomben herstellen? Nicht nur die Wirtschaftskrise habe noch viel mehr Menschen dazu gebracht, „über Alternativen zur klassischen Bank“ nachzudenken, sagt Artopé. Auf Neu-Deutsch heißt dieses Prinzip „Social Lending“ – Geld fließt von Mensch zu Mensch.

Seit gut drei Jahren ist Smava schon online und hat nach eigenen Angaben bisher insgesamt 34 Millionen Euro an Krediten vermittelt. So ganz ohne Bank funktioniert Smava allerdings auch nicht. Das Unternehmen überprüft die Bonität eines Kreditsuchenden über die Schufa, wickelt die Vergabe über die Bank für Investments und Wertpapiere ab und finanziert sich selbst über – vergleichsweise geringe – Gebühren von Anlegern und Kreditnehmern.

In der „Lindenstraße“ meinte Erich zu seiner Helga: „Das sind jetzt andere Zeiten – wir können uns das nicht vorstellen, aber das ist die Zukunft.“ Alexander Artopé wird diesen Satz gerne gehört haben.

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