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Porträt Laura Chinchilla: Ohne Ecken und Kanten

Sie ist typisch Costaricanisch: nicht zu weit links, nicht zu weit rechts, ist nicht zu radikal und nicht zu nachsichtig - und selbst Wahlkampfstrategen scheiterten bei der Suche nach der dunklen Seite. Von Klaus Ehringfeld

Die Wahlkampfstrategen ihrer Gegner mussten am Ende kapitulieren. So sehr sie auch suchten, sie fanden an Laura Chinchilla keine dunkle Seite, die sie im Wahlkampf hätten ausschlachten können. Am Ende verstiegen sie sich zu der Kritik, Chinchilla stehe unter dem Einfluss ihres Vorgängers und Förderers, des Friedensnobelpreisträgers Óscar Arias, und sei seine Marionette. Man hat schon schlimmere Seiten an gewählten Präsidentinnen entdeckt.

Chinchilla, 50, steht politisch nicht zu weit links, nicht zu weit rechts, ist nicht zu radikal und nicht zu nachsichtig und damit irgendwie typisch costaricanisch. Dass sie die erste Frau im höchsten Staatsamt ist, taugt heute selbst in Zentralamerika eher zur Randnotiz. Manche politische Beobachter glauben, dass viele Costaricaner Chinchilla ihre Stimme gegeben haben, gerade weil sie eine Frau ist. In jedem Fall war einer ihrer größten Pluspunkte, dass sie im Vergleich zu ihren Hauptkonkurrenten politisch unverbraucht scheint.

Ihre erste Kandidatur führt die Frau nun gleich in den Präsidentenpalast. Den kennt sie schon aus ihrer Zeit als Vize-Staatschefin unter Arias. Dem scheidenden Staatschef hatte sie außerdem als Justizministerin gedient. Beide Ämter legte sie im Oktober 2008 nieder, um sich auf ihre Präsidentschaftskandidatur vorzubereiten.

Im neuen Amt erwarten die studierte Juristin und Politologin Herausforderungen, auf die sie gut vorbereitet sein müsste. Sie war von 1996 bis 1998 Sicherheitsministerin, allerdings war da Costa Rica tatsächlich noch das Land, dem man einst den Beinamen "Schweiz Zentralamerikas" gegeben hat. Es war ein Land, in dem die Menschen zu einem bescheidenen Wohlstand kamen, in dem der Staat die wichtigsten Dienstleistungen anbot und es wenig Kriminalität gab.

Doch seit jenen Jahren hat sich vieles geändert. Die Wirtschaft wächst nicht mehr so stark, dafür hat mit dem Drogenhandel die Kriminalität insgesamt zugenommen. "Auch wenn es dramatisch klingt", sagte die Kandidatin wenige Tage vor der Wahl, "aber ich denke, in Zentralamerika wird der letzte Kampf gegen dieses Krebsgeschwür geführt".

Laura Chinchilla studierte Jura und politische Wissenschaften in Costa Rica und an der Georgetown-Universität in der US-Hauptstadt Washington. In den neunziger Jahren arbeitete sie als Beraterin in Fragen der öffentlichen Sicherheit und Justizreform in Lateinamerika und Afrika. Chinchilla ist verheiratet mit einem spanischen Anwalt und Mutter eines Sohnes. In gesellschaftspolitischen Fragen ist die Katholikin extrem konservativ. Sie lehnt Abtreibung ebenso ab wie die gleichgeschlechtliche Ehe.

Autor:  Klaus Ehringfeld
Datum:  8 | 2 | 2010
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