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Porträt: Legende des Schreckens

Die Erinnerung an blutige Schlachten, Berichte über Intrigen am Hof des letzten Han-Kaisers, Gesetze zur Agrarpolitik, die Gründung eines Reichs. Cao Cao hat viele Spuren gelegt und hinterlassen. Nun wurde sein Grab gefunden. Von Karl Grobe

Ein Blick in das Grab von Cao Cao, das Archäologen der Volksrepublik nun freigelegt und zweifelsfrei identifiziert haben.
Ein Blick in das Grab von Cao Cao, das Archäologen der Volksrepublik nun freigelegt und zweifelsfrei identifiziert haben.
Foto: afp

Wenn man vom Teufel spricht, ist er nicht weit. Oder in chinesischer Form: Spricht man von Cao Cao, dann kommt Cao Cao. Der Mann muss fürchterlich gewesen sein, dessen Grab die Archäologen der Volksrepublik nun freigelegt und zweifelsfrei identifiziert haben. 740 Quadratmeter umfasst sein letzter Ruheplatz beim Dorf Xigaoxue in der Provinz Henan. Cao Cao ist im Jahr 220 gestorben. Sein Grab aber blieb 1800 Jahre lang unauffindbar; kein Wunder, soll er doch angeordnet haben, 72 Gräber anzulegen, um Grabräuber zu verwirren.

Das ist eine Legende. Es gibt nur das eine Grab, das Ziegeleiarbeiter vor einem Jahr fanden. Sie entdeckten erste Hinweise, als sie Lehm für die Brennöfen ausgruben und ihnen Steintafeln mit der Aufschrift "König Wu von Wei" in die Hände fielen. Sie sagten erst mal nichts. Dann kamen Ortsfunktionäre darauf: Dies ist der nachträgliche Ehrenname des Cao Cao. Da war schon einiges geplündert worden. Der Staat will das Geklaute nun kaufen, um die 250 Fundstücke aus Xigaoxue zu ergänzen.

Im Laufe eines Jahres Spatenforschung haben Archäologen seitdem zu Tage gefördert: die Überreste des mit 65 gestorbenen Königs, seiner etwa zehn Jahre jüngeren Ehefrau und einer bei ihrem Tod höchstens 25 Jahre alten Geliebten. Weitere Schrifttafeln. Keine Goldschätze, das hatte Cao Cao sich verbeten. Er war sparsam. Und hat viel hinterlassen.

Ein Gedicht über die Sterblichkeit der Schildkröte, die Erinnerung an blutige Schlachten, Berichte über Intrigen am Hof des letzten Han-Kaisers, Gesetze zur Agrarpolitik und über Wehrbauern-Siedlungen, die Gründung eines Reichs. Cao Cao hat viele Spuren gelegt, nicht zuletzt im populären Theater, im 700 Jahre alten Volksroman "Die Geschichte der Drei Reiche", im Film und im Fernsehen. Das hat ihm vor vier Jahren eine 84 Folgen lange Serie gewidmet.

Cao Cao ist als Adoptivenkel des Eunuchen Cao Teng aufgewachsen, eines mächtigen Hofmanns. Mit zwanzig war Cao Cao Bezirksboss der Hauptstadt Luoyang, bekämpfte den bäuerlich-daoistischen Aufstand der Gelben Turbane, besiegte lokale Kriegsherren, als die Han-Dynastie zerfiel, war drauf und dran, das ganze damalige China zu unterwerfen.

Am Roten Felsen am Jangtsestrom wurde er gestoppt. Seine 200000 Mann waren eher wasserscheu. Die Gegner, 55000 Mann stark, schickten einen Agenten mit der Kriegslist: Bindet die Boote zusammen, dann werden die Kerle nicht seekrank. Nur manövrierfähig waren Cao Caos Kähne nicht mehr. Er verlor. Ihm blieb Chinas Nordhälfte, fortan das Reich Wei. Sein Sohn Cao Pei wurde dessen erster Kaiser, ein schlauer Militärdiktator wie Cao Cao - und wie dieser ein Förderer aller Religionen.

Autor:  Karl Grobe
Datum:  30 | 12 | 2009
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