Der mexikanische Erzähler Carlos Fuentes wunderte sich über seinen "Raubtierblick" aus "Katzen-Augen, die zu Puma-Augen werden", und sein "offenes Lächeln" kam ihm "fast bedrohlich" vor. Keine besonders sympathische Beschreibung von Juan Manuel Santos also. Dennoch sind beide seit langem in enger Freundschaft verbunden, und womöglich steckt hinter Santos´ überraschend klarem Wahlsieg eine ähnliche Ambivalenz. Die Kolumbianer haben sich mit deutlicher Mehrheit gegen den notorischen Sympathieträger Antanas Mockus entschieden und stattdessen das politische Raubtier Juan Manuel Santos favorisiert.
Raubtier? Ernesto Samper dürfte ihn 1997 insgeheim noch mit ganz anderen Vokabeln bedacht haben. Hinter dem Rücken von Samper, dem damals stark geschwächten Präsidenten Kolumbiens, nahm Santos Verhandlungen mit den rechten Paramilitärs wie mit der linken Guerrilla über einen bilateralen Waffenstillstand auf. Der Friedensplan wurde zugleich als politischer Putschversuch gegen den Präsidenten verstanden. Daraus wurde nichts, Santos war erstmal der Verlierer.
Er sprach damals auch mit Raúl Reyes, einem der Kommandanten der Farc-Guerrilla. Der wurde 2008 bei einem Angriff der kolumbianischen Armee auf ein Farc-Lager in Ecuador getötet. Die Attacke, die die Guerrilla nachhaltig schwächte, war der größte militärische Erfolg der rechten Regierung von Präsident Uribe - und seines Verteidigungsministers Juan Manuel Santos.
Der 58-Jährige stammt aus einer der reichsten und mächtigsten Familien des Landes. Als seine Altersgenossen mit der Linken oder den Hippies liebäugelten, machte er seinen Militärdienst, studierte Ökonomie in Kansas, in Harvard und an der London School of Economics.
Schon als 24-Jähriger vertrat er Kolumbien bei der Welt-Kaffeeorganisation. Später wurde er an die Spitze des Außenhandels-, danach des Finanzministeriums berufen. Mit Disziplin und der Fähigkeit, effiziente Teams zusammenzustellen und zu leiten, erwarb er sich den Ruf eines hervorragenden Technokraten. Dass er dabei immer das höchste Amt seines Landes im Hinterkopf hatte, daraus hat er nie ein Hehl gemacht.
Die Chance eröffnete sich im Februar, als das Oberste Gericht dem populären Uribe den Weg zu einer dritten Amtszeit versperrte. Santos konnte sich als dessen Erbe präsentieren. Dass er damit auch die politische Verantwortung für die horrenden Menschenrechts-Verstöße, für einen haarsträubenden Bespitzelungsskandal, für die Korruption und die hasserfüllte Anprangerung politischer Gegner erbte, die Uribes acht Jahre prägten, scheint seine Wähler nicht gestört zu haben.
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