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Porträt: Mauricio Funes

Dem roten Partei-Hemd zog er im Wahlkampf feine Anzüge vor, gegenüber der Nähe vieler Kader der FMLN zu Venezuelas Präsident Hugo Chávez betont er seine Bewunderung für den sozialdemokratischen Weg von Lula da Silva in Brasilien.

Mauricio Funes, 49, ist ein eher untypischer Vertreter der siegreichen Ex-Guerilla in El Salvador.
Mauricio Funes, 49, ist ein eher untypischer Vertreter der siegreichen Ex-Guerilla in El Salvador.
Foto: afp

In den letzten Wochen des Wahlkampfes begann er seinen Tag mit einem alten Hausrezept: Er gurgelte mit Ingwerwasser, um die chronische Heiserkeit zu bekämpfen, die zuletzt jeden seiner Auftritte begleitete.

Ein Jahr und drei Monate hatte der 49 Jahre alte künftige Präsident El Salvadors Wahlkampf gemacht und dabei ohne Unterbrechung geredet. Zum einen spricht der eitle Mann gerne und gut - er war schließlich lange Jahre beim Fernsehen - zum anderen musste er in dem von Lügen und Verleumdungen gezeichneten Wahlkampf unentwegt klarstellen, dementieren und erklären, so dass man den Eindruck hatte, Funes höre eigentlich nie auf zu reden.

Ingwerwasser braucht auch der Staatschef Funes, denn er wird künftig an vielen Fronten vermitteln müssen: Die Opposition ist stark und wird ihm alle Steine in den Weg legen, aber auch die orthodoxen Kader seiner Partei FMLN werden ihn viele Worte kosten. Funes kann in einem noch immer tief gespaltenen und konservativen El Salvador ein erfolgreicher Präsident nur mit Positionen sein, die wenig links der Mitte liegen.

Der Mann mit Vorliebe für Designerbrillen liegt quer zu vielem, was seiner aus der Linksguerilla hervorgegangenen Partei heilig ist: Dem roten Partei-Hemd zog er im Wahlkampf feine Anzüge vor, gegenüber der Nähe vieler Kader der FMLN zu Venezuelas Präsident Hugo Chávez betont er seine Bewunderung für den sozialdemokratischen Weg von Lula da Silva in Brasilien. Und auch an der Dollarisierung Salvadors und dem Freihandelsvertrag mit den USA will er nicht rütteln.

Seine politischen Ambitionen offenbarte Funes erstmals vor sechs Jahren in einem Interview, in dem er sich als ein "links denkender" Mensch bezeichnete und andeutete, dass er sich eine Kandidatur für die FMLN vorstellen könne. Und nachdem die Ex-Guerilla kurz danach zum vierten Mal der rechten Arena-Partei mit einem ehemaligen Comandante als Präsidentschaftskandidat deutlich unterlegen war, begann in der Partei der Umdenkungsprozess, der im November 2007 zu Funes‘ Kandidatur führte.

Im zwölf Jahre langen Bürgerkrieg wurde Funes als junger Reporter bekannt, der als Erster die Comandantes der FMLN interviewte. Später wurde er zum beliebtesten Fernseh-Journalisten der sich in seinem täglichen Interview-Format als kompetenter, unbequemer und querdenkender Frager einen Namen machte. Hugo Chávez und Kubas Revolutionsführer Fidel Castro ließen sich von ihm befragen. 14 Jahre arbeitete Funes zudem als Korrespondent für die spanisch-sprachige Ausgabe des US-Nachrichtensenders CNN.

Auch wenn sich Funes nicht am Kampf gegen die Diktatur beteiligte, hat er doch schmerzvolle Erfahrungen gemacht mit ihr: Sein Bruder Roberto, ein Studentenführer, wurde im August 1980 von der Polizei ermordet. Reden tut Funes darüber ebenso ungerne wie über den Tod seines Sohnes Alejandro, der vor anderthalb Jahren während seines Studiums in Paris ermordet wurde.

Funes ist in zweiter Ehe verheiratet mit der Brasilianerin Vanda Pignato, die eine Freundin von Staatschef Lula da Silva und Mitbegründerin der brasilianischen Arbeiterpartei PT ist. Mit ihr hat er ein Baby im Alter von 16 Monaten. Zudem ist Funes Vater dreier weiterer Kinder aus vorherigen Beziehungen. keh

Datum:  16 | 3 | 2009
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