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Politik
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06. Mai 2009

Porträt: Mutig und chancenlos

 Von BERNHARD BARTSCH
Li Fangping, 34, verteidigt einen tibetischen Mönch vor einem chinesischen Gericht.  Foto: Bartsch

Li Fangping verteidigt den tibetischen Lama Phurbu Tsering Rinpoche. Ihn halten die Behörden für einen Strippenzieher der Tibeterdemonstrationen im vergangenen Frühjahr. Von Bernhard Bartsch

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Am Anfang hat er gezögert, das gibt Li Fangping zu. "Der Fall ist politisch äußerst sensibel", sagt der 34 Jahre alte Jurist. "Zwei Anwaltsteams haben ihn abgelehnt." Aber gerade deshalb übernahm Li die heikle Aufgabe schließlich doch: Er verteidigt den tibetischen Lama Phurbu Tsering Rinpoche, den die Behörden für einen Strippenzieher der Tibeterdemonstrationen im vergangenen Frühjahr halten.

Der Vorsteher eines Nonnenklosters in der Provinz Sichuan ist der ranghöchste Geistliche, der bisher im Zusammenhang mit den Aufständen vor Gericht kommt. Das Verfahren soll beweisen, dass die Gewaltausbrüche von den Tibetern ausgegangen und von langer Hand geplant gewesen seien.

Phurbu Rinpoche war im Mai 2008, gut zwei Monate nach den ersten Protesten, festgenommen worden, nachdem sein Kloster gegen die offizielle Kampagne zur "patriotischen Umerziehung" demonstriert hatte, die von den Gläubigen unter anderem die öffentliche Lossagung vom Dalai Lama verlangte. Laut Staatsanwaltschaft hätten die Polizisten unter dem Bett des Geistlichen eine Pistole und mehr als hundert Schuss Munition entdeckt.

Bis zu 15 Jahre Haft drohen

Außerdem soll sich der 52-Jährige, der nach Angaben der Organisation International Campaign for Tibet wegen seiner karitativen Bemühungen hoch angesehen ist, am Bau von Altenheimen und Krankenhäusern bereichert haben. Bei einer Verurteilung drohen Phurbu Rinpoche bis zu 15 Jahre Haft.

Der Pekinger Anwalt Li, der schon den prominenten Dissidenten Hu Jia verteidigte und sich im vergangenen Herbst für Opfer des Giftmilchskandals engagierte, macht sich keine Illusionen darüber, dass die Richter seinen Mandanten schon vor der ersten Anhörung für schuldig befunden haben.

"Politisch gibt es in diesem Fall keine Hoffnung", sagte er nach dem ersten Verhandlungstag. "Trotzdem lohnt es sich, dafür zu kämpfen, dass dieses Verfahren so gerecht wie möglich abläuft." Dass der ranghohe Lama als erster der über 950 verhafteten Tibeter, von denen bereits Dutzende zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, einen unabhängigen Anwalt zugestanden bekomme, biete eine Gelegenheit, das chinesische Rechtssystem mit den Gesetzen zu konfrontieren, die es eigentlich schützen solle.


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Zwar können die Behörden dem Anwalt kaum sein Mandat entziehen, wenn sie den Anschein der Rechtsstaatlichkeit aufrechterhalten wollen. Doch hinter den Kulissen wurde Li bereits gewarnt. "Man hat mir gesagt, ich solle nicht allzu enge Beziehungen zu den Verwandten des Angeklagten aufbauen", erzählt Li. "Außerdem soll ich stets darauf achten, das Ansehen des Staates zu schützen." Das werde er beherzigen, erklärt Li. Auf seine Weise.

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