Zur Pressekonferenz erscheint sie mit einem Schlagstock, sie haut damit auf den Tisch, schreit laut "Caramba!", was zwei schlafende Polizisten aufschreckt, und dann beginnt sie wie ein Maschinengewehr ihre schlichte Vorstellung von Recht und Ordnung darzulegen Nein, die Szene ist nicht echt, es ist nur eines dieser Heiterkeitsvideos aus Youtube, das nicht die wahre Mercedes Cabanillas, aber doch eine Wahrheit über sie zeigt: Die peruanische Innenministerin, kaum drei Monaten im Amt, ist so etwas wie eine Kultfigur. Man macht Witze über sie, selbst derbe - aber in den Spott mischt sich Anerkennung.
Es ist die Anerkennung, die einer rechtspolitischen Eisenfresserin in einem Land entgegengebracht wird, in dem je nach Umfrage 72 bis 82 Prozent der Bevölkerung die Todesstrafe ausgeweitet sehen will. Dass sie nun, bei der Vorstellung eines neuen Verhaltenskodexes für die Polizei, nicht nur strenge Strafen für korrupte Beamte ankündigt, sondern auch homosexuelle und ehebrecherische Polizisten feuern will, mag im Ausland die Augenbrauen in die Höhe gehen lassen. Die meisten Peruaner, die von ihren stets "coima" (Schmiergelder) fordernden Polizisten die Nase voll haben, werden applaudieren. Dass das Schwulen-Verbot eine handfeste Diskriminierung darstellt, werden sie achselzuckend oder beifällig als Kollateralschaden hinnehmen.
Die 62-jährige Eiserne Lady Perus kommt aus linken Verhältnissen. Ihre Familie war stets für die Apra-Partei, eine eher sozialdemokratisch geprägte Alternative zu den Kommunisten. In den 1980er Jahren erwarb sie sich, als erstes weibliches Kabinettsmitglied der peruanischen Geschichte, im Amt der Erziehungsministerin Anerkennung - in schweren Zeiten, als Peru bankrott und vom Terrorismus unterwandert war. Für die Apra trat sie 1995 erfolglos als Präsidentschaftskandidatin an.
Im Parlament war sie, auch dank ihres gewaltigen Mundwerks, eine der lautesten Oppositionsstimmen gegen die Diktatur von Alberto Fujimori. Aber mit Links hat die Apra heute kaum noch etwas zu tun, und "Meche", wie genannt wird, ist zu einem rechtspolitischen Falken mutiert.
Als eine rechte Abgeordnete 2006 vorschlug, sexuellen Missbrauch von Kindern mit der Todesstrafe zu ahnden, weil die Täter "Raubtiere" seien, die "das Recht auf Leben verwirkt" hätten, stand Cabanillas an ihrer Seite. Notfalls kann für Recht und Ordnung das Recht auch mal ein bisschen verbogen werden. Um den 400 allein in Lima umherschweifenden Jugendbanden Paroli zu bieten, will sie 16-Jährige bestrafen wie Erwachsene, was der Verfassung zuwider liefe. Und ob ihr Schwulen- und Ehebrecher-Ukas nicht einfach eine verfassungswidrige Diskriminierung darstellt, muss sich auch erst zeigen.
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