Rio de Janeiro im Jahr 2009 hat so manches mit dem New York der frühen neunziger Jahre gemeinsam. In vielen Vierteln kann man kaum über die Straße gehen, ohne dass man ausgeraubt wird. Drogenkriminalität regiert die Stadt, Tausende von Bürgern sterben jährlich im Kreuzfeuer von Bandenkriegen.
So ist es nur logisch, dass Rio den Mann angeheuert hat, die Stadt an der Copacabana aufzuräumen, der New York von einer der gefährlichsten Städte der Welt in eine blitzsaubere Vorzeigemetropole verwandelt hat. Rudy Giuliani, der von 1994 bis 2002 am Hudson regierte, soll ein Sicherheitskonzept für die brasilianische Kommune ausarbeiten, weil sie 2016 die Olympischen Spielen ausrichten wird.
Als Giuliani in New York ins Amt kam, galt die Stadt als unregierbar. 2000 Morde passierten pro Jahr, wöchentlich gingen 1700 Jobs verloren. Die Stadt stand kurz vor dem Bankrott, Verfall regierte das Straßenbild.
Doch Giuliani glich mit harten Einschnitten den Haushalt aus und bekam die Kriminalität in den Griff. Zum Motto seiner Sicherheitspolitik wurde das "Broken Window"-Prinzip. Wer Müll auf die Straße wirft, so die Theorie, der neigt auch zu Schlimmerem. Polizisten agierten, statt wie bisher nur zu reagieren, und ahndeten schon die geringste Ordnungswidrigkeit.
Die Politik der eisernen Hand war verblüffend erfolgreich. 1994 sank die Kriminalität um zwölf Prozent, 1995 um 16 Prozent, 1996 noch einmal um 16 Prozent. Selbst die ärgsten politischen Gegner des Republikaners geben zu, dass er New York zu eine der sichersten Großstädte der USA gemacht hat.
Kehrseite seiner Saubermann-Politik war die Brutalität der Polizei. Weltweit für Aufsehen sorgte der Fall von Amadou Diallo, der von Polizisten mit 41 Schüssen getötet wurde. Zudem wirft man Giuliani vor, dass er das Problem von Armut und Obdachlosigkeit nicht gelöst, sondern lediglich unter den Teppich gekehrt hat. Das glitzernde Manhattan wurde gesäubert, in der Bronx aber sind die Asylheime überbelegt.
Alles trägt dazu bei, dass Giuliani in New York nicht sehr beliebt ist. Lediglich sein entschlossenes Auftreten am 11. September 2001 rechnet man ihm noch hoch an. Anders als kürzlich seinem Nachfolger Michael Bloomberg gewährte man ihm dennoch 2002 keine dritte Amtszeit. New York hat das Raubein für die groben Arbeiten gebraucht. Danach wollte man ihn jedoch lieber wieder loswerden.
Nach einer erfolglosen Präsidentschaftskandidatur 2008 verdingt er sich deshalb jetzt mit seiner Sicherheitsfirma im Ausland. Und besinnt sich dabei wieder auf das, was er kann - aufräumen.
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