Sie hätte es nicht unbedingt bedauert, wenn sie nicht für den Bundestag aufgestellt worden wäre. Sabine Leidig, 47, hat sich wohl gefühlt als Geschäftsführerin der Bundeszentrale der globalisierungskritischen Organisation Attac in Frankfurt.
Dann aber ist sie am Wochenende von der hessischen Linken zur Spitzenkandidatin gekürt worden - mit 105 zu 86 Stimmen gegen die Favoritin der Parteiführung. Leidig wird nun in den Bundestag einziehen. Sie nennt es ihr "neues Lebensprojekt".
Die Heidelbergerin ist damit die zweite Attac-Persönlichkeit, die den Weg in die Parlamente versucht. Attac-Mitgründer Sven Giegold kandidiert auf der Liste der Grünen für einen Sitz im Europaparlament. Das ist bemerkenswert, denn die außerparlamentarische Bewegung Attac war immer geprägt von einer deutlichen Distanz zum etablierten Politikbetrieb.
Auch Bewegungsfrau Leidig sieht Parteien skeptisch. "Diese Parteiendemokratie kann nicht das letzte Wort sein", sagt sie in ihrer bedächtigen Art, die so gar nicht politikerhaft daherkommt. Doch jetzt wird sie die Ochsentour eines Wahlkampfs am eigenen Leib erleben. Man kann nicht sagen, dass sich Sabine Leidig besonders ins Zeug gelegt hätte, um diese Kandidatur zu ergattern. Sie hatte es angeboten und wartete lange darauf, dass man sie rufen würde - zu lange, um bei parteiinternen Kandidatenvorstellungen auftreten zu können. Prompt gab der Linkenvorstand ein Votum für ihre Gegenkandidatin ab.
Stallgeruch hat die Neue ohnehin nicht. Weder kommt Leidig aus Hessen noch ist sie bisher Mitglied der Linken. Immerhin war die gelernte Biologielaborantin viele Jahre lang aktive Gewerkschafterin. Doch die meisten der knapp 200 Delegierten lernten die Attac-Frau erst kennen, als sie am Samstag beim Parteitag in Bad Homburg ans Mikrofon trat.
Da zeigte die hoch aufgeschossene, schlanke Frau mit der roten Kurzhaarfrisur, wie nah sie den Systemkritikern der Linken steht. "Die globalen Krisen des Kapitalismus sind ohne Systemwechsel nicht zu lösen", sagte sie. Und: "Als Schlüsselbranche im Kapitalismus muss die Finanzindustrie vergesellschaftet werden." Sätze wie gemacht für einen Linken-Parteitag - wie auch ihre Ankündigung, doch in die Partei einzutreten.
Leidig war schon einmal in einer Partei. Der DKP gehörte sie von 1982 bis 1991 an. Sie verstehe sich auch heute als Kommunistin, allerdings "in einem philosophischen Sinne". Es gehe ihr darum, "alle Verhältnisse in Frage zu stellen, in denen Menschen in ihrer Entwicklung behindert werden". An der DDR sieht sie positive Seiten. "Ein Unrechtsregime war sie auch", sagt Leidig, "aber auch ein Sozialstaat." Sätze wie von einer Linken-Politikerin. Und zu der ist Leidig am Wochenende geworden.
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