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Porträt: Sir Fred und der Reißwolf

Er selbst sah sich als einen der Kühnsten im Bankengewerbe. Die anderen hielten ihn eher für vermessen oder verblendet. Jetzt musste Sir Fred Goodwin, Generaldirektor der Royal Bank of Scotland (RBS), den Hut nehmen.

Er selbst sah sich als einen der Kühnsten im Bankengewerbe. Die anderen hielten ihn eher für vermessen oder verblendet. Jetzt musste Sir Fred Goodwin, Generaldirektor der Royal Bank of Scotland (RBS), den Hut nehmen. Seine Expansions-Politik hat dem Edinburgher Bankhaus die größte Erniedrigung seiner 281-jährigen Geschichte beschert: Die Regierung steigt mit 60 Prozent ein, um die RBS in den Stürmen der Finanzkrise über Wasser zu halten.

So hatte sich Sir Fred die Sache nicht vorgestellt, als er vor zehn Jahren, erst vierzigjährig, RBS-Vizechef wurde und drei Jahre später deren "Befehlshaber". Der Schotte aus einfachen Verhältnissen hatte sich in der Branche als rücksichtsloser Rationalisierer und Massenentlasser hervorgetan, was ihm den Spitznamen Reißwolf-Freddie (Fred the Shred) eintrug. Er wollte auch bei RBS mit hartem Durchgreifen und Wagemut Top-Resultate erzielen. Die alte schottische Hausbank sollte auf der großen Weltbühne mitspielen.

Ein Weilchen sah es auch so aus, als trügen Goodwins Pläne Früchte. Die Übernahme der sehr viel größeren NatWest-Bank beförderte die Schotten-Bank prompt in die oberste Liga. 2002 kürte das Forbes-Magazin ihn zum "Globalen Geschäftsmann des Jahres", 2004 adelte ihn die König. Im selben Jahr betrug der Marktwert der Royal Bank of Scotland 70 Milliarden Dollar - mehr als der Wert der Deutschen Bank oder von Barclays. Goodwin wurde als Kandidat für den Top-Posten der Citigroup gehandelt. Der Hobby-Jäger, Golfspieler und Oldtimer-Liebhaber, der gern in seinen Triumph Stag durchs Land braust, schien nicht mehr zu stoppen.

Doch die Hybris holte Sir Fred ein. Die Kreditkrise begrub die RBS unter sich, nachdem er die Kapitalbasis der Bank durch Milliardenankäufe anderer Banken geschwächt hatte. Warnungen schlug er in den Wind. Voriges Jahr setzte er die Übernahme der auf Grund gelaufenen holländischen Bank ABN Amro durch ein von ihm geführtes Konsortium durch, obwohl der Preis viel zu hoch war und die Kreditkrise ihn schon feixend anstarrte. Im April lag der Geldmangel offen zutage. Er musste die Aktionäre um Abzeichnung neuer Aktien bitten, um den Untergang zu verhindern.

Seiner Absetzung widersetzte er sich zunächst. Erst jetzt, da die Bank mehrheitlich in Staatsbesitz übergeht, wurde der Rücktritt unausweichlich. Die unter seinem furiosen Kommando litten, weinen ihm keine Tränen nach. Sir Fred aber muss sich keine Sorgen machen. Noch 2006 soll er in Gehalt und Aktien acht Millionen Pfund heimgetragen haben. Ein paar Ersparnisse für die alten Tage dürften also gesichert sein, so dass er ohne den "goldenen Handschlag" auskommt, den ihm die Regierung nun verweigern wird.

Autor:  PETER NONNENMACHER
Datum:  14 | 10 | 2008
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