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Porträt: Superreich und kriminell

Die Wirtschaftskrise hat auch in Mexiko so manchem Milliardär zugesetzt. Carlos Slim zum Beispiel, drittreichster Mensch der Welt, hat vergangenes Jahr 25 Milliarden Dollar Vermögen eingebüßt. Aber auf Platz 701 von 793 des Rankings, in dem das US-Wirtschaftsmagazin Forbes alljährlich die Superreichen dieser Welt auflistet, gibt es 2009 einen Neueinsteiger. Er kommt aus dem Geschäft, das im Augenblick in Mexiko so gut floriert wie kein anderes, der Handel mit Drogen.

Gestatten: Joaquín Guzmán Lopera, genannt "El Chapo", 54 Jahre, geboren in Badiraguato, einem Dorf im nordmexikanischen Bundesstaat Sinaloa, der Wiege des mexikanischen "Narco-Business", Größe: 1,55 Meter, Schulabbruch in der sechsten Klasse, von Beruf Drogenboss und Chef des Sinaloa-Kartells, verheiratet in dritter Ehe mit einer 18-Jährigen, Aufenthaltsort seit 2001 unbekannt. Die Rechenmeister von Forbes, die nicht zwischen legal und illegal erworbenem Reichtum differenzieren, beziffern Guzmáns Privatvermögen mit einer Milliarde Dollar. Sie gehen davon aus, dass er rund 20 Prozent der auf 18 bis 39 Milliarden geschätzten Einkünfte aus der Wäsche der Drogendollar der mexikanischen und kolumbianischen Kartelle eingestrichen hat.

"El Chapo", wie Männer mit kurzer Statur in Mexikos Norden genannt werden, ist in seinem Geschäft der Größte. 30 Jahre hält er sich schon in einem Milieu, in dem Führungsfiguren spätestens nach fünf Jahren an der Spitze umgebracht werden. Den Weg vom kleinen Marihuana-Verkäufer bis zum Chef der mächtigsten mexikanischen Mafia mit Präsenz in Europa, Asien und Ozeanien begleiten Mythen und Legenden. Vor sieben Jahren floh "El Chapo" aus einem Hochsicherheitsgefängnis, versteckt unter einem Berg Schmutzwäsche. Es folgte eine Welle von Morden und Anschlägen, mit denen er seine führende Position im lukrativen Transitgeschäft mit Kokain in Richtung USA zurückgewann. Angeblich liebt Guzmán Schildkrötenfleisch, fährt nur in gepanzerten Luxuslimousinen, wird von einem Dutzend Leibwächter geschützt und gibt sein vergoldetes AK-47-Sturmgewehr nicht mal nachts aus den Händen. Hin und wieder wird er auf den Partys der Drogenmillionäre irgendwo in der nordmexikanischen Wüste gesichtet.

In Mexiko ist es ein offenes Geheimnis, dass "El Chapo" über beste Kontakte zu den Drogenfahndern verfügt. Nur so ist zu erklären, dass der meistgesuchte Mafioso Mexikos sieben Jahre nach seiner Flucht frei schalten und walten kann. Das FBI hat eine Belohnung von fünf Millionen Dollar für Guzmáns Ergreifung ausgeschrieben. Für Hinweise gibt es eine eigene E-Mail-Adresse: chapotips@usdoj.gov. Sie werden "in allen Sprachen" entgegengenommen.

Autor:  KLAUS EHRINGFELD
Datum:  13 | 3 | 2009
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