Die Bühne wird künftig eine größere sein, er aber wird weiterhin im Hintergrund die Strippen ziehen. In anderthalb Jahren wird Uwe Corsepius den Standort und die Chefin wechseln, sich finanziell spürbar verbessern - und tun, was er auch zuletzt getan hat: diskret, loyal und effizient mitmischen, wenn es um die Fortentwicklung der Europäischen Union geht.
Der 49-Jährige gehört zur kleinen Schar von Spitzenbeamten, deren Einfluss in krassem Gegensatz zu ihrem (Un)Bekanntheitsgrad steht. Knapp zwei Monate nach ihrem Amtsantritt machte Angela Merkel (CDU) am 1. Januar 2006 den promovierten Volkswirt zum Leiter der Europa-Abteilung im Kanzleramt. Seitdem haben er und seine kleine Truppe von ausgewiesenen Experten diverse EU-Krisen gemanagt und jenen Erfolgen den Weg geebnet, für die später Miss Europe gefeiert wurde. Ohne Corsepius, dessen Karriere 1990 im Wirtschaftsministerium begann, wäre etwa die Lissabon-Vertragsreform kaum denkbar gewesen.
Seine Chefin dankt ihm seine Verdienste mit einer Beförderung, die perspektivisch auch ihr nutzen dürfte. Die EU-Staats und Regierungschefs verständigten sich darauf, dass Corsepius im Sommer 2011 Generalsekretär des EU-Ministerrats werden soll. Wer diesen Brüsseler Posten innehat, übt maßgeblichen Einfluss auf die europäische Agenda aus, sitzt im Saal, wenn die 27 Chefs hinter verschlossener Tür kungeln, feilt an Kompromissen mit. Der Franzose Pierre de Boissieu leitet das Sekretariat mit seinen weit mehr als 2000 Beamten seit zehn Jahren; viele fragen sich, ob er nur die graue Eminenz des Rats ist oder nicht heimlicher Herrscher.
Wer seinem Adlatus die Schaltstelle im Brüsseler Apparat zu sichern vermag, kann damit leben, dass der neue EU-Präsident ein Belgier ist, die Chefdiplomatin eine Britin und der nächste deutsche Kommissar Günther Oettinger heißt. Und - auch das ist in Berlin zu hören - die Benennung von Corsepius heiße nicht, dass Merkel ihre Ambitionen aufgegeben habe, die Spitze der Europäischen Zentralbank demnächst mit einem Deutschen zu besetzen.
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