Vier Castorbehälter mit hochradioaktivem Atommüll werden in der kommenden Woche über die Schiene aus dem französischen Cadarache zum atomaren „Zwischenlager Nord“ nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern transportiert. Der Zug wird dem Polizeipräsidium Rheinpfalz zufolge am Mittwoch die deutsch-französische Grenze bei Lauterbourg passieren und Rheinland-Pfalz durchqueren. Atomkraftgegner kritisieren das Vorhaben und stufen es gefährlicher ein als bisherige Castor-Transporte nach Gorleben. Auch durch Baden-Württemberg soll der Zug fahren.
Die Castoren enthalten laut Transportgenehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) abgebrannte Brennstäbe aus der kompakten natriumgekühlten Kernreaktoranlage (KNK) - dem sogenannten Schnellen Brüter - und bestrahlte und unbestrahlte Brennstäbe aus Nuklearexperimenten des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe, einem Tochterunternehmen der Energiewerke Nord (EWN). Außerdem seien bestrahlte und unbestrahlte Brennstäbe des Atomfrachters „Otto Hahn“ in den Behältern.
Atom-Gegner: Material ist waffenfähig
Bei dem Atommüll handle es sich um atomwaffenfähiges Plutonium, sagte der Sprecher der Südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen, Andreas Raschke, der Nachrichtenagentur dapd. Eine Waffe mit großer Durchschlagskraft würde ausreichen, um eine nukleare Katastrophe auszulösen. „Hier fährt eine Atombombe durch die Gegend - nur der Zünder fehlt“, warnte Raschke. Angesichts der jüngsten Terrorwarnungen sei es unverantwortlich, den Transport quer durch Deutschland zu schicken.
Eine Kritik, die die Energiewerke Nord nicht nachvollziehen können. „Ich weise es weit von mir, dass es sich um atomwaffenfähiges Material handele“, betonte der EWN-Vorsitzende Dieter Rittscher. Plutonium sei zwar wie überall in bestrahlten Brennelementen enthalten, doch es sei nicht waffenfähig. Dieser Zustand könne erst nach einer Wiederaufarbeitung in sauberen Zustand erreicht werden. Das sei hier keineswegs der Fall, unterstrich der EWN-Chef.
BfS: Transport erfüllt Auflagen
Das Bundesamt für Strahlenschutz wollte eine „Waffenfähigkeit“ weder bestätigen noch dementieren. Das BfS habe vor der erteilten Transportgenehmigung geprüft, ob alle gemäß Atomgesetz vorgeschriebenen Sicherheitsanforderungen durch den Antragsteller eingehalten werden, sagte BfS-Sprecher Florian Emrich. Da die Sicherheitskriterien erfüllt waren, hatte der Antragsteller einen Rechtsanspruch auf die Transportgenehmigung, unterstrich Emrich. Die weitere Aufsicht des Transportes, den die Nuklear Cargo und Service GmbH (NCS) aus Hanau im Auftrag von EWN durchführt, liege beim Eisenbahnbundesamt und den Ländern, die die Castoren durchqueren.
In Rheinland-Pfalz liegt die Koordination der Transportsicherung beim Polizeipräsidium Rheinpfalz. Der Polizeieinsatz sei analog zu den früheren Transporten vorbereitet worden, sagte Behördensprecherin Simone Eisenbarth. Im Präsidium sei man auf alle Eventualitäten vorbereitet, rechne jedoch mit weniger Demonstranten als beim Gorleben-Transport. Bisher sind laut Polizei erst zwei Mahnwachen in Maximiliansau und in Hagenbach angemeldet. (dapd)
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