Was ist Präimplantationsdiagnostik (PID)?
Bei der Präimplantationsdiagnostik geht es darum, Embryonen auf Erbkrankheiten zu testen, bevor sie in den Mutterleib übertragen werden. PID kann also nur im Rahmen einer künstlichen Befruchtung erfolgen. Für das Verfahren werden mithilfe von Hormonen die Eierstöcke stimuliert. Dadurch reifen Eizellen heran und können entnommen werden. Etwa acht bis zwölf Eizellen werden mit Spermien des Mannes künstlich befruchtet. Drei Tage nach der Befruchtung, wenn der heranwachsende Embryo aus sechs bis zehn Zellen besteht, werden mit einer dünnen Nadel ein bis zwei Zellen entnommen und einer spezifischen genetischen Diagnostik unterzogen. In den Mutterleib übertragen werden nur solche Embryonen, die keine genetischen oder chromosomalen Defekte aufweisen.
Um welche Krankheiten geht es ?
Durch die Diagnostik können Erbkrankheiten erkannt werden, bei denen ein Genbereich verändert ist. Beispiele dafür sind Mukoviszidose, bei der es zur Verschleimung der Atemwege kommt, das Nervenleiden Chorea Huntington und Muskelschwäche wie die Duchenne-Muskeldystrophie. Außerdem kommt die PID zur Erkennung von Chromosomenveränderungen infrage - etwa des Down-Syndroms, bei dem das Chromosom 21 dreifach statt doppelt vorhanden ist.
Wie ist die gesetzliche Situation in Deutschland?
Eine spezielle gesetzliche Regelung gibt es nicht, denn als das Embryonenschutzgesetz 1991 in Kraft trat, befand sich die Präimplantationsdiagnostik noch in ihren Anfängen. Da das Embryonenschutzgesetz es jedoch untersagt, "eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt" und auch demjenigen Strafe androht, der "eine menschliche Samenzelle in eine menschliche Eizelle künstlich verbringt, ohne eine Schwangerschaft der Frau herbeiführen zu wollen, von der die Eizelle stammt", wird PID hierzulande bisher nicht praktiziert.
Wie könnte PID gesetzlich geregelt werden?
Befürworter der PID wünschen sich ein Fortpflanzungsmedizingesetz, in dem neuere Entwicklungen der Reproduktionsmedizin berücksichtigt und klar geregelt sind. PID könnte zum Beispiel nur bei bestimmten Indikationen zulässig sein.
Ist PID in anderen Ländern erlaubt?
In Dänemark und Frankreich zum Beispiel ist PID erlaubt, aber unter bestimmten Bedingungen, etwa einem erhöhten Risiko für schwere genetische Krankheiten. Wenig eingeschränkt ist PID in Belgien, Großbritannien und in einigen US-Bundesstaaten.
Führt Legalisierung zu einem Anstieg der PID?
Die Zahl der PID-Fälle zur Erkennung von Erbkrankheiten und Chromosomenstörungen steigt nach bisherigen Erkenntnissen nicht an. In Deutschland käme das Verfahren nach Expertenschätzungen jährlich für 50 bis 100 Paare infrage.
Wozu kann PID missbraucht werden?
Kritiker befürchten, dass Kinder künftig vermehrt nach Geschlecht ausgewählt werden (social sexing). In einigen Ländern erweitert sich das Anwendungsspektrum zudem laufend. So kam in Großbritannien 2009 das erste Kind zur Welt, bei dem per PID eine Veranlagung für Brustkrebs ausgeschlossen wurde. Neuerdings nehmen einige Ärzte eine PID auch dann vor, wenn die künstliche Befruchtung mehrfach misslingt. Die Erfolgsrate ließ sich dadurch bisher jedoch nicht beeinflussen. Die Angst vor Designer-Babys, die nach Haarfarbe oder gar Intelligenz ausgewählt werden, erscheint bislang unbegründet.
Birgt PID ein Risiko für das Kind?
Studien mit mehreren hundert Kindern, die nach PID zur Welt kamen, deuten nicht auf ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder gesundheitliche Störungen hin.
(Zusammengestellt von Anne Brüning)
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