Als Manuel Zelaya am Sonntagvormittag in Costa Rica vor die Presse trat, sah er arg zerzaust aus. Über dem Schlafanzug trug er ein weißes T-Shirt, immerhin hatte ihm irgendwer ein paar Socken geborgt. Denn rund sechs Stunden zuvor gönnten ihm die Soldaten seiner eigenen honduranischen Streitkräfte nicht mal die Zeit, sich anzuziehen, als sie ihn im Morgengrauen mit vorgehaltener Waffe daheim in Tegucigalpa aus dem Schlaf rissen und nach Costa Rica entführten.
Um den 56 Jahre alten Präsidenten von Honduras war es in den vergangenen Wochen einsam geworden: Streitkräfte, Oberster Gerichtshof, Parlament und sogar Teile seines eigenen Kabinetts und seiner Liberalen Partei lehnten die von Zelaya angestrebten Referenden ab, mit denen er über die Einberufung einer verfassunggebende Versammlung entscheiden lassen wollte.
Ein Bild aus den letzten Tagen vor dem Putsch beschreibt den Bruch am besten: Im Präsidentenpalast hatte der volksnahe Staatschef mit dem dicken schwarzen Schnauzer seine Freunde und Sympathisanten versammelt - zum Schutz vor einem Staatsstreich und auch als Zeichen seiner Verbundenheit mit dem Volk. So verwandelten stillende Frauen, Bauern, Gewerkschafter und Gitarre spielende Männer mit großen Sombreros, so wie sie Zelaya selber gerne trägt, das Regierungszentrum in den Ort eines großen Happenings.
Das folkloristische Bild belegt, dass sich der aus der Oligarchie stammende Präsident zuletzt nur noch beim einfachen Volk zuhause fühlte. Zelaya hat seit seinem Amtsantritt Ende Januar 2006 eine Art Metamorphose vollzogen - eine ungewöhnliche dazu. Gewählt als rechtsliberaler Kandidat mit Unterstützung der Ober- und Mittelschicht hat er sich in den vergangenen Jahren sehr zum Schrecken der Eliten des Landes zu einem linksgerichteten Präsidenten entwickelt, der sich trotz seiner Herkunft aus einer Familie von Viehzüchtern und Großgrundbesitzern nicht scheute, das Wort Sozialismus in den Mund zu nehmen.
Er stehe einer "Mitte-links-Regierung mit einer sozialistischen und sozialen Tendenz" vor, sagte er kürzlich in einem Interview. Dem Entsetzten der Oberschicht stand die Freude der Armen und Ureinwohner in einem Land gegenüber, das zu den ärmsten in ganz Lateinamerika gehört.
Auch außenpolitisch suchte Zelaya schon lange die Nähe der Linksachse um Venezuelas Präsident Hugo Chávez. Vor einem Jahr hatte er Honduras in das von Venezuela geführte alternative Wirtschaftsbündnis ALBA geführt und sich offen als ein Freund von Kubas Revolutionsführer Fidel Castro gezeigt. Zugleich bemühte dich der fast 1,90 Meter große Mann aber darum, die Beziehungen zu den USA nicht allzu sehr zu beschädigen. Washington spielt traditionell eine große Rolle in dem zentralamerikanischen Land.
Dass Zelaya eine soziale Ader hat, zeichnete sich allerdings schon im Wahlkampf ab. Da machte er sich anders als andere Kandidaten für die soziale Integration der Jugendbanden "Maras" stark und lehnte die weithin geforderte Todesstrafe für die Mitglieder der Banden ab. In den letzten Monaten pflegte Zelaya allerdings auch zunehmend seine populistische Seite: Er trat regelmäßig im Staatsfernsehen auf und erläuterte vor allem dort mit langen Reden die Notwendigkeit seiner politischen Vorhaben.
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