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Präsidenten-Duell: Mann des Südens gegen Mann des Nordens

Hamid Karsai war Liebling des Westens. Doch nun kämpft er ohne jeglichen Skrupel um seine Wiederwahl. Abdullah Abdullah gilt als sein gefährlichster Gegner. Wie der neue US-Präsident verspricht er auch den Wandel. Das spricht vielen Menschen aus dem Herzen. Von Christine Möllhoff

Hamid Karsai war Liebling des Westens. Doch nun kämpft er ohne jeglichen Skrupel um seine Wiederwahl. Abdullah Abdullah gilt als sein gefährlichster Gegner. Wie der neue US-Präsident verspricht er auch den Wandel. Das spricht vielen Menschen aus dem Herzen
Hamid Karsai war Liebling des Westens. Doch nun kämpft er ohne jeglichen Skrupel um seine Wiederwahl. Abdullah Abdullah gilt als sein gefährlichster Gegner. Wie der neue US-Präsident verspricht er auch den Wandel. Das spricht vielen Menschen aus dem Herzen
Foto: afp/getty

Man könnte es einen Pakt mit dem Teufel nennen. Kurz vor den Wahlen hat Hamid Karsai den wohl brutalsten Warlord Afghanistans aus dem Exil zurückgeholt. Im Triumph kehrte Abdul Rashid Dostum jüngst nach Kabul zurück. Der bullige Usbeken-General soll Karsai zum Sieg verhelfen. Dafür will der ihn angeblich mit Amt und Würden belohnen. Dostum schlug ein: "Wir müssen mit Karsai in die Zukunft gehen", empfahl er seinen Anhängern.

Noch 2004 hatte eine Sympathiewelle Karsai die Macht gesichert. Doch nun kämpft er ohne jeglichen Skrupel um seine Wiederwahl. Der 51-Jährige missbraucht den Staatsapparat, hofiert die Islamisten und kauft Clanchefs in Serie ein. Sein Kabinett wimmelt von Warlords der übelsten Sorte. Wie Dostum.

Hamid Karsai, Noch-Präsident, verbündet sich mit skrupellosen Warlords, um an der Macht zu bleiben.
Hamid Karsai, Noch-Präsident, verbündet sich mit skrupellosen Warlords, um an der Macht zu bleiben.
Foto: dpa

In den USA und Europa ist man entsetzt. Karsai und der Westen - das ist auch die Geschichte einer enttäuschten Liebe, einer Entzauberung oder auch Demontage. Als die USA Karsai 2001 an die Spitze Afghanistans hievten, schien er der Traumkandidat: Gebildet, eloquent und moderat.

Karsai hat ohne Frage tief enttäuscht. Kriminalität und Korruption grassieren, der Drogenhandel boomt. Das Volk darbt, die Mächtigen bereichern sich. Doch kann man die Misere nicht allein ihm anlasten. Vielmehr rächten sich auch eine lange Reihe von Fehlern der Bush-Regierung, meint der Analyst Thomas Ruttig.

Abdullah Abdullah, 48, ein studierter Augenarzt, könnte den Amtsinhaber in die Stichwahl zwingen.
Abdullah Abdullah, 48, ein studierter Augenarzt, könnte den Amtsinhaber in die Stichwahl zwingen.
Foto: afp

Der Vater eines kleinen Sohnes ist nicht nur Paschtune wie 42 Prozent aller Afghanen. Karsai ist auch ein Adliger vom Stamm der Popalzai, dem auch die Königsfamilie angehörte. Er unterstützte zunächst die Taliban, stellte sich aber gegen sie, als sein Vater bei einem Taliban-Anschlag getötet wurde. Deshalb schien er 2001 ideal für den "härtesten Job der Welt", wie Newsweek damals schrieb. Auch seine Gabe, Gegner einzubinden, empfahl ihn. Heute sieht man sie mit Grausen. US-Medien stellen ihn als "paranoid" da. Tatsächlich verschanzte er sich nach mehreren Anschlägen zunehmend im Palast.

Im Westen dürfte man über eine Wiederwahl Karsais wenig froh sein. Das Verhältnis zwischen ihm und Washington wirkt frostig. Die ehemalige US-Marionette, sei zu aufmüpfig geworden, urteilt der indische Ex-Diplomat M. K. Bhadrakumar. Er glaubt, dass die USA gezielt auf eine Stichwahl hinarbeiten - in der Hoffnung, doch noch Karsais Rivalen Abdullah Abdullah an die Macht zu bringen.

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Autor:  Christine Möllhoff
Datum:  19 | 8 | 2009
Seiten:  1 2
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