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Presseschau zu Wulff: "Ein Präsident zum Fremdschämen"

Heuchler, Schnorrer, Präsidenten-Azubi: Die Meinung der Medien zu Christian Wulffs Fernsehinterview fällt vernichtend aus. Der Tenor der Kommentatoren: Wulffs Klammern an das Präsidentenamt ist würdelos.

Titelseiten nach Wulffs Interview (05.01.2011).
Titelseiten nach Wulffs Interview (05.01.2011).
Foto: rtr/Pawel Kopczynski

Es sollte eine Befreiungsschlag für Christian Wulff werden. Doch aus Sicht der deutschen Medien ist ihm das mit seinem 21-minütigen TV-Auftritt nicht gelungen - im Gegenteil. „Schwer vorstellbar, dass der Bundespräsident mit dieser Erklärung seine Not lindert", urteilen etwa die Stuttgarter Nachrichten. Und die Thüringer Landeszeitung meint: „Einfach weiter so? Das kann es nicht sein. Wenn der Bundespräsident sich dieser Illusion hingibt, dann irrt er. Wulff hat sich mit seinem Fernsehauftritt Zeit gekauft, mehr nicht.

Presseschelte für Wulff
Bild-Zeitung

„Nein, dieser 21 Minuten kurze Auftritt war kein Befreiungsschlag. Christian Wulff hat die letzte Karte gezogen: Menschen machen Fehler und aus diesen Fehlern wolle er lernen, erklärte der Bundespräsident reumütig im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Er sei als Bundespräsident ins kalte Wasser geschmissen worden - das höchste Amt im Staate als Lehrberuf ? Nein, an dieser Stelle war nicht allein zerknirschte Rechtfertigung, sondern wahrhaftige Aufklärung gefragt. Doch die ist Christian Wulff sowohl zu seinem Anruf bei BILD als auch zu seinen umstrittenen Hauskrediten schuldig geblieben. Damit hat Wulff eine weitere, womöglich die letzte Chance vertan, seine Amtszeit mit Würde fortzusetzen. 'Die Persönlichkeit des Amtsinhabers prägt zwangsläufig die Amtsführung in besonderem Maße', heißt es auf der Internet-Homepage des Bundespräsidenten. Christian Wulff hat das Amt in den letzten Wochen tatsächlich geprägt. Aber das Amt wird Jahre brauchen, bis es sich davon erholt. Und die Affäre ist noch nicht zu Ende.“

Dass Wulff mit seinen Affären das Amt beschädigt hat, darüber sind sich die Kommentatoren einig. Zwar ringt sich nicht jeder zu einer klasren Rücktrittsforderung durch, doch die Kritik an Wulffs Verhalten zieht sich durch alle Blätter. "Wulff will im Amt bleiben, um sich zu rehabilitieren. Aber der Mann hat dem Land zu dienen und nicht das Amt dem Mann. Ob er dafür noch eine Chance erhält, wird davon abhängen, dass ihm das politische Berlin und die bundesweite Öffentlichkeit den reuigen und lernbereiten Sünder abkaufen, als der er sich präsentierte", schreibt etwa die "Badische Zeitung".

Noch gnadenloser ist die Westdeutsche Allgemeine Zeitung": "Ein Präsident, der seine Familie nach vorne schiebt. Und auch einer, der die seltsamsten Spekulationen um seine Frau noch selbst befeuert, indem er diese als 'Fantasie' bezeichnet. Einer, der sich am Ende selbst freisprechen muss, weil es kein anderer tut. Zum Fremdschämen."

Und "Der neue Tag" schreibt: "Schade: Joachim Gauck wäre vermutlich ein ziemlich guter, wenn auch sehr politischer Präsident geworden. Wulff dagegen ist inzwischen nur noch ein ziemlich peinlicher Präsident. Aber die Bundesrepublik wird auch das aushalten."

Das passende Schlusswort für die Analyse von Wulffs Auftritt liefert die "Rhein-Neckar-Zeitung": "Der Rest ist Fassungslosigkeit."

Autor:  Nadja Erb
Datum:  5 | 1 | 2012
Kommentare:  16
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