"Tragischer Held", "Zyniker", "Mann mit Humor", "Merkels Risiko", "Schröders Erbe" - die deutschen Meinungsmacher wurden am Wochenende nicht müde, dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ein Etikett zu verpassen.
Seine Chancen im Wahlkampf schätzen sie völlig unterschiedlich ein. So schreibt die Wochenzeitung "Die Zeit ": „Von den drei möglichen Kandidaten hat Peer Steinbrück sicher die besten Chancen gegen die Amtsinhaberin: Er ist nicht nur der populärste, sondern er bringt auch Finanz- und Wirtschaftskompetenz mit - was in Krisenzeiten von Nutzen ist - und hat sich als Bundesminister, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen sowie Buchautor einen Namen gemacht.".
Peer Steinbrück 1998 als schleswig-holsteinischer Verkehrsminister im Kabinett von Ministerpräsidentin Heide Simonis.
Foto: dpa„Wenn der in einer Art Sturzgeburt zur Welt gekommene Kanzlerkandidat der SPD seinem Land einen Dienst erwiesen will, dann gründet er seinen Wahlkampf nicht auf Parteiparolen oder 'Sie- oder- er'- Dramaturgie. Dann spricht er zur Sache. Sein Programm sollte er mit dem Wort 'Wahrhaftigkeit' überschreiben. Die Wahlkampfstrategen sagen normalerweise: Wir müssen deutlicher sein als die Wirklichkeit. Aber diesmal ist das nicht notwendig. Nichts kann Deutschland jetzt weniger gebrauchen als ein Jahr Dauerwahlkampf. Am liebsten würde man die Kontrahenten bitten, auf den Kreislauf der Idiotie, wo einer den anderen wider besseren Wissens für unfähig und gefühlskalt erklärt, zu verzichten.“ Das "Handelsblatt" aus Düsseldorf am Montag.
Und auch die "Badische Zeitung" sieht in Steinbrücks Finanzkompetenz einen Vorteil im Kampf gegen Kanzlerin Merkel: "Unter den drei sozialdemokratischen Gladiatoren ist Peer Steinbrück der einzige, der die Kanzlerschaft Angela Merkels 2013 ernsthaft in Gefahr bringen kann. Wenn er, an dessen finanzpolitischer Kompetenz auch der Gegner nicht zweifelt, Merkel Unehrlichkeit in der Europolitik vorwirft, kann die Kanzlerin das auf Dauer nicht mit dem Hinweis auf die Alternativlosigkeit ihrer Politik ignorieren."
Mit Steinbrück bekomme Merkel einen "Herausforderer auf Augenhöhe" präsentiert, fasst die Ostsee-Zeitung zusammen, was viele denken. Doch solch hohe Erwartungen hegen längst nicht alle. Aus Sicht der "Presse" aus Wien unterscheidet sich Steinbrück in seinen Positionen zu wenig von der Kanzlerin. Ihr Resümee: "null Chancen" für Steinbrück.
Da geht's lang: Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zeigt gern Kante. Seine bisherigen politischen Erfolge...
Foto: dpa/dpawebEbenso kontrovers wird das Auftreten Steinbrücks bewertet. "Wer die steigende Politikverdrossenheit beklagt, (...) muss den Klartext-Mann Steinbrück schätzen", schreibt die Rheinische Post, während der "Neue Tag" aus Weiden warnt: "ein lockeres Mundwerk kann zum Fluch werden, wie Mitt Romney gerade erlebt". Und der "Mannheimer Morgen" analysiert: "Dass Steinbrück ein Menschenfischer ist, gar Herzlichkeit ausstrahlt, kann man nicht unbedingt behaupten.“
Nur in einem sind sich die meisten Kommentatoren aus dem In- und Ausland einig: "Dieser Wahlkampf wird spannend" (Bild-Zeitung).
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