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Problem-Lager Asse: Nicht nur Forschungsmüll

Greenpeace fordert, dass die Energiekonzerne EnBW und RWE die Sanierung des Atomlagers Asse mitfinanzieren. Grund: Ein Großteil der Radioaktivität stammt von den Firmen. Von Joachim Wille

Greenpeace fordert, dass die Energiekonzerne EnBW und RWE die Sanierung des Atomlagers Asse mitfinanzieren. Grund: Ein Großteil der Radioaktivität stammt von den Firmen.
Greenpeace fordert, dass die Energiekonzerne EnBW und RWE die Sanierung des Atomlagers Asse mitfinanzieren. Grund: Ein Großteil der Radioaktivität stammt von den Firmen.
Foto: ap

Ein Großteil der Radioaktivität im maroden Atomlager Asse bei Wolfenbüttel stammt nach einer Greenpeace-Auswertung ursprünglich von den Stromkonzernen EnBW und RWE. Die Umweltorganisation fordert daher, dass die Energieversorger die notwendige Sanierung des einsturzgefährdeten Ex-Bergwerks zu zwei Dritteln finanzieren müssen. Die Kosten für die Asse-Schließung werden auf mindestens zwei Milliarden Euro geschätzt. Formell muss laut Atomgesetz der Bund dafür aufkommen. EnBW lehnte eine solche Nachzahlung strikt ab.

13 AKW haben eingelagert

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), seit Anfang 2009 Asse-Betreiber, bestätigte auf FR-Anfrage, dass alle 13 Atomkraftwerke, die in der Asse-Einlagerungszeit von 1967 bis 1978 betrieben wurden, "direkt oder indirekt Abfälle an die Schachtanlage Asse abgegeben haben". Genaue Angaben zu den Mengen und zur Zuordnung zu den AKW seien aber nicht möglich, sagte BfS-Sprecher Werner Nording der FR.

Greenpeace hatte den so genannten Inventarbericht des früheren Asse-Betreibers GSF aus dem Jahr 2002 ausgewertet. Darin sind die Atommüll-Lieferungen verzeichnet, die in den 60er und 70er Jahren in die Asse gingen. Daraus ergebe sich: Rund 70 Prozent der Radioaktivität kämen letzten Endes aus AKW, obwohl sie als Reststoffe aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe (KFZ) firmieren.

Der Hintergrund: In Karlsruhe wurde damals eine Versuchs-Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) betrieben - als Modell für die für im bayerischen Wackersdorf geplante, später aufgegebene große Atomfabrik. Man zerlegte dort abgebrannte Brennelemente, um Uran und Plutonium zu gewinnen. Laut Greenpeace kommen über 70 Prozent der über das Kernforschungszentrum Karlsruhe gelaufenen-Radioaktivität aus dem - inzwischen stillgelegten - AKW Obrigheim, das heute zum Konzern EnBW gehört. "Diese Zahlen widerlegen die bisherige Darstellung der Atomindustrie, Nuklearmüll aus privatwirtschaftlicher Quelle sei nur in geringen Mengen in die Asse verklappt worden", kommentiert die Umweltorganisation. "EnBW und Co. tricksen und täuschen." Der EnBW-Konzern hat laut der Greenpeace-Liste mit rund 63 Prozent an der Gesamtradioaktivität in der Asse den weitaus größten Anteil des Strahlenmülls in die Schachtanlage bringen lassen. Die Abfälle aus RWE-AKW machten rund sechs Prozent aus. Eon und Vattenfall zusammen seien mit zwei Prozent dabei.

Die Atomlobby mauert

EnBW allerdings sieht sich nicht in der Lage, den eigenen Anteil am Asse-Atommüll zu quantifizieren. Das Kernforschungszentrum habe "keine eindeutige mengenmäßige Zuordnung der letztlich eingelagerten Abfälle vorgenommen", hieß es auf FR-Anfrage. Deswegen könne man die Mengenangaben nicht "im Detail bewerten". Zudem sei damals vertraglich vereinbart worden, "dass Abfälle, die bei der Wiederaufarbeitung entstanden, sofort dem Aufarbeiter zugeordnet wurden und damit in dessen Verantwortungsbereich waren." Die Stromkonzerne wären damit nicht mehr zu belangen. Auch der Branchenverband Deutsches Atomforum vertritt diese Auffassung.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte von den Energiekonzernen am vergangenen Freitag überraschend eine Beteiligung an der Asse-Sanierung gefordert. Falls sie sich sperrten, werde in der nächsten Legislaturperiode eine "Brennstoffsteuer" für AKW eingeführt.

Autor:  JOACHIM WILLE
Datum:  23 | 2 | 2009
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