Morsleben. Bei Protesten von Atomkraftgegnern vor dem Atommüll-Endlager in Morsleben ist es am Donnerstag zu Ausschreitungen gekommen. Nach Polizeiangaben hatten rund 50 Demonstranten versucht, zwei Tore zum Gelände des Lagers gewaltsam zu öffnen.
Die Atomkraftgegner rüttelten am Tor und skandierten Parolen gegen die Polizei. Die hinter dem Zaun postierten Beamten setzten Pfefferspray und Hunde gegen die Demonstranten ein.
Die Teilnehmer des Anti-Atom-Trecks wehren sich gegen die Darstellung der Polizei, die Ausschreitungen seien von den Atomkraftgegnern initiiert worden. "Das Rütteln an den Toren der havarierten Atommülldeponie hat zu Ausschreitungen der Polizei geführt, und das wird ein Nachspiel haben", kündigt die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg an. Ihr Vorstand Gerhard Harder werde wegen der tätlichen Übergriffe Strafanzeige gegen Polizisten stellen.
Nach Augenzeugenberichten hat bei weiteren Protesten einige hundert Meter vom Atommüll-Endlager Morsleben entfernt einer der Polizisten seine Pistole gezogen. Die ursprünglich eingesetzten 24 Beamten wurden im Laufe des Vormittags durch weitere Einsatzkräfte aus der Börde, Magdeburg, Halberstadt und dem angrenzenden Niedersachsen verstärkt.
An dem Protest beteiligten sich rund 200 Menschen. Sie sind Teilnehmer eines sogenannten Anti-Atom-Trecks, der in dieser Woche mit verschiedenen Veranstaltungen gegen atomare Endlager protestiert.
Morsleben war das Atommüll-Endlager der DDR. Mit der deutschen Einheit ging es 1990 in den Besitz des Bundes über. In dem Salzstock lagern rund 400.000 Kubikmeter schwach und mittelradioaktiver Atommüll. 1998 verhängte das Oberverwaltungsgericht Magdeburg einen Einlagerungsstopp. Derzeit läuft das Verfahren zur endgültigen Stilllegung. (ddp/dpa/fr)
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