Trotz landesweiter Streiks und Proteste hat Frankreichs Regierung am Dienstag die von Opposition und Gewerkschaften geschlossen abgelehnte Rentenreform ins Parlament eingebracht. Während Arbeitsminister Eric Woerth die geplante Heraufsetzung des Rentenalters von 60 auf 62 Jahre in der Nationalversammlung verteidigte, gingen im ganzen Land Hunderttausende auf die Straße, um die weithin als sozial ungerecht empfundene Reform zu Fall zu bringen.
Mit Tröten und Trillerpfeifen machten die Demonstranten ihrem Zorn Luft. Auf Transparenten warfen sie der Regierung vor, den Sozialstaat zu verraten. Arbeitsniederlegungen führten zu Verkehrsbehinderungen. Drei von fünf Hochgeschwindigkeitszügen fielen aus sowie drei von vier gewöhnlichen Schnellzügen. Die Lufthansa musste ein Viertel ihrer Frankreich-Flüge streichen.
Der Vorsitzende der gemäßigten Gewerkschaft CFDT, François Chérèque, sprach vom „größten Protest seit Jahren“ und kündigte „eine Radikalisierung“ an, sollte die Regierung nicht einlenken.
Der Entwurf, den die Nationalversammlung bis 15. September und der Senat bis Ende Oktober verabschieden soll, sieht nicht nur eine Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters vor. Auch die Lebensarbeitszeit soll heraufgesetzt werden. Wer in den Genuss einer ungeschmälerten Pension kommen will, muss künftig 41,5 statt bisher 40,5 Jahre arbeiten.
„Lasten unsozial verteilt“
Laut Umfragen hält die Mehrheit der Franzosen eine Reform des Rentensystems für unumgänglich. Dennoch finden 63 Prozent Streiks und Proteste gegen die von Staatschef Nicolas Sarkozy zum wichtigsten Vorhaben seiner Amtszeit erklärten Neuerung legitim. Anstoß erregt vor allem die Art und Weise, wie das System reformiert werden soll. Die geplante Lastenverteilung sei unsozial, lautet der häufigste Vorwurf. Unmut ruft etwa hervor, dass früh ins Berufsleben einsteigende Arbeiter bis zur Rente deutlich mehr als 41,5 Jahre malochen müssen.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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