London. Das Bedrohlichste, das die Beamten Scotland Yards am Wochenende entdeckten, waren die Menschenaffen vor dem britischen Parlament und am Sitz des Premiers in der Downing Street. Die Verkleideten trugen Plakate: "Lacht nur - eines Tages werden wir das Regiment hier führen!" Sonst musste nur ein Betrunkener in Gewahrsam genommen werden, der sich in die G20-Demonstration verirrt hatte.
Die laut Polizei rund 35.000 Demonstranten, die am Samstag den Protest-Reigen gegen den Londoner G20-Gipfel einleiteten, blieben friedlich. Sie waren ja auch dem Aufruf der (staatstreuen) Gewerkschaften, der Grünen und kirchlicher Verbände gefolgt. "Put People First" lautete ihr Slogan, die Menschen müssen zuerst kommen. Gemeint waren eine Kontrolle des Kapitals ebenso wie Investitionen in eine "grüne Ökonomie" und eine gerechte Verteilung der Ressourcen in der Welt. Die weißen und grünen Banner der Umweltlobby Friends of the Earth teilten sich das Aufmarschgelände im Hyde Park friedlich mit den roten Fahnen des Socialist Worker.
Die Rekordzahlen der Demos gegen den Irak-Krieg erreichte der Aufmarsch nicht. Man habe aber, gratulierten sich einige Teilnehmer, "den Keim zu einer neuen demokratischen Basisbewegung" gelegt. Labour-Premier Gordon Brown ließ "volles Verständnis" für das Verlangen der Demonstranten nach Arbeitsplätzen, bezahlbaren Wohnungen und einer funktionierenden Wirtschaft ausrichten. Zu diesen Fragen werde der von ihm einberufene G20-Gipfel von Donnerstag an Stellung beziehen.
Das schert die Kritiker wenig, die sich ihre Proteste für den Gipfel aufheben. Für Mittwoch sind ein Sturm auf die Bank von England und ein Marsch zur US-Botschaft geplant. Am Donnerstag wollen "selbst ernannte Rebellen" gegen das Konferenzgelände anrücken. Boulevardblätter spekulieren schon über Tunnelaktionen und Panzereinsätze.
10 500 Polizisten werden in der Gipfelwoche im Einsatz sein; 26 000 weitere aus dem ganzen Land stehen als Reserve bereit. Und die Londoner Handelskammer hat Bankern geraten, einstweilen nicht in Nadelstreifen, sondern in Freizeitkleidung zur Arbeit zu kommen.
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