Die Gewalt gegen westliche Botschaften in der islamischen Welt weitet sich aus, erstmals ist jetzt auch eine deutsche Vertretung Ziel der Angriffe geworden. Mehrere tausend aufgebrachte Demonstranten stürmten am Freitag die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum und setzten sie teilweise in Brand. Es sei niemand zu Schaden gekommen, das Personal sei in Sicherheit, teilte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Nachmittag in Berlin mit. Der Minister verurteilte den Angriff „auf das Schärfste“ und forderte die sudanesischen Behörden auf, die Sicherheit ausländischer Vertretungen zu gewährleisten. Der Krisenstab des Auswärtiges Amtes stehe in ständigem Kontakt mit der Botschaft.
Medienberichten zufolge setzte ein großes Aufgebot von sudanesischen Sicherheitskräften Tränengas gegen die Angreifer ein. Einigen Demonstranten gelang es, die deutsche Fahne herunterzureißen und eine islamische zu hissen. Auch die nahe gelegene britische Botschaft wurde angegriffen. Danach versuchte die Menge, zur amerikanischen Botschaft vorzudringen. Die Rede war von bis zu 10.000 Personen.
Ein bekannter muslimischer Geistlicher hatte nach den Freitagsgebeten zu den Demonstrationen aufgerufen. Anlass ist ein islamfeindlicher Internet-Film aus den USA. Seit Tagen gibt es deshalb gewalttätige Proteste vor westlichen Vertretungen. Auch am Freitag kam es wieder zu Zusammenstößen, unter anderem in Ägypten, im Jemen, im Libanon und in Tunesien.
Im Sudan stürmten aufgebrachte Demonstranten die Deutsche Botschaft und steckten sie in Brand.
Foto: dapdAm vergangenen Dienstag waren beim Sturm des US-Konsulats in der libyschen Stadt Bengasi Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet worden. US-Vertreter vermuten, dass das Terror-Netzwerk Al-Kaida zumindest hinter einem Teil der Anschläge steckt.
Bundesaußenminister Westerwelle sagte, er verstehe die Empörung angesichts des anti-islamischen Hassfilms. „Dieses Video ist unerträglich. Es verletzt die Gefühle von Millionen Menschen.“ Gleichwohl sei dies keine Rechtfertigung für Gewalt. Deutschen im Ausland riet der Minister, sich von aufgebrachten Menschenmengen fern zu halten.
Die deutschen Behörden waren offenbar frühzeitig darüber informiert, dass es im Laufe des Freitags zu einem Angriff auf die Botschaft in Khartum kommen könnte. Westerwelle berichtete, Sudans Botschafter in Berlin sei bereits am Morgen ins Auswärtige Amt einbestellt worden. Dort sei diesem „unmissverständlich“ klar gemacht worden, dass die sudanesische Regierung dazu verpflichtet sei, ausländische Vertretungen zu schützen. Warum der Botschafter schon Stunden vor den Ausschreitungen vorgeladen wurde, führte Westerwelle nicht näher aus. Er sagte aber: „Wir gehen allem nach, was uns an Informationen erreicht.“ Das legt nahe, dass die Regierung über entsprechende Geheimdienst-Hinweise verfügte.
Die Republik Sudan im Nordosten Afrikas gilt als „failed state“, als gescheiterter Staat und als Operationsgebiet islamistischer Terroristen. Präsident Omar al Baschir wird wegen Kriegsverbrechen vom Internationalen Staatsgerichtshof gesucht.
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