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Psychotherapiekongress in Marburg: Wirbel um "Homo-Heiler"

Die Gegner des Internationalen Psychotherapiekongresses in Marburg sprechen von "pseudowissenschaftlichen Homo-Heilern und Umpolern". Von Gesa Coordes

Marburg. Die Gegner des Internationalen Psychotherapiekongresses in Marburg sprechen von "pseudowissenschaftlichen Homo-Heilern und Umpolern". Damit diese in der hessischen Universitätsstadt kein Forum erhalten, protestieren neben Homosexuellen und Grünen nun auch Junge Liberale und Studierende. Gerade hat sich im Umfeld der Hochschule ein Bündnis aus 15 Gruppen unter dem Titel "Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus" gegründet.

In der Kritik stehen drei der 120 Referenten, die vom 20. bis 24. Mai zu dem Kongress erwartet werden: Die Ärztin Christl Ruth Vonholdt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft, Markus Hoffmann von der Organisation Wüstenstrom und der Psychotherapeut Michael Gerlach. Ihnen wirft das Bündnis vor, Homosexuelle zu Heterosexuellen therapieren zu wollen. "Es ist ein Skandal, dass die Stadt Marburg sowie die Universität solchen reaktionären Veranstaltungen und christlichem Fundamentalismus eine Bühne bietet", sagt Sprecherin Nora Nebenberg. Die Kritiker fordern, dem Kongress keine Räume zur Verfügung zu stellen. Sollte die Tagung stattfinden, "dann nicht ohne unseren Protest".

Evangelikales Spektrum

Veranstalter der Tagung, bei der mit rund 1000 Teilnehmern gerechnet wird, ist die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, die dem evangelikalen Spektrum zugerechnet wird. Sie versteht sich als überkonfessionelle Plattform für christliche Therapeuten: "Wir zeichnen uns durch Meinungsvielfalt aus", sagt Vorstandsmitglied Dietmar Seehuber. Deshalb weise er Versuche zurück, die Akademie als Organisation darzustellen, die homosexuellenfeindliche Angebote unterstütze. Homosexualität werde bei der Tagung nur am Rande thematisiert, grundsätzlich sei das gesamte Spektrum der kirchlichen Diskussion vertreten. Schwule und Lesben finden sich aber nicht unter den Referenten. Hessens Grüne sprechen von einem "Homophobie-Kongress", die Jungen Liberalen Marburgs von einem "pseudowissenschaftlichen" Treffen.

Doch weder die Stadt noch die Hochschule wollen der seit Jahren in Marburg tagenden Akademie die Räume entziehen. Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) distanziert sich von den strittigen Referenten, Uni-Sprecherin Viola Düwert sieht in ihnen nur eine kleine Minderheit: Der Kongress insgesamt ziele nicht darauf ab, Schwule umzupolen.

Was Marburg während der Tagung erwarten kann, zeigt das Beispiel des "Christivals" in Bremen 2008. Obwohl strittige Seminare damals abgesetzt wurden, kam es zu teils gewalttätigem Protest.

Autor:  GESA COORDES
Datum:  15 | 4 | 2009
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