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Radunfälle: Rüpel im Sattel sind nicht zu bremsen

Die Zahl der Unfälle wächst. Der Fahrrad-Club hält bessere Straßenplanung aber für sinnvoller als Nummernschilder am Zweirad.

So sähe das wohl aus: Radfahrer mit Nummernschild.
So sähe das wohl aus: Radfahrer mit Nummernschild.
Foto: Arnold

Ein Morgen in Frankfurt-Sachsenhausen: Ein Radfahrer fährt eine regennasse Straße runter. Die Ampelanlage an einem Straßenbahngleis vor ihm ist ausgefallen, zwei Autos bremsen vor dem Gleisen ab, der Radfahrer zieht an ihnen vorbei, ignoriert das Hupen der Autos - erst, als er auf den Gleisen ist, sieht er die Straßenbahn nahen. Mit viel Kraft startet er durch und entkommt.

Was an diesem Morgen gut geht, klappt oft genug nicht: Während die Zahl der Unfälle bei Autofahrern sinkt, steigt sie bei Radfahrern von hohem Niveau sogar noch merklich an. Zwischen 1991 und 2003 verunglückten jährlich zwischen rund 71 000 und 76 000 Radfahrer. Von 2004 bis 2007 stieg die Zahl auf rund 79 000 an, verzeichnet das Statistische Bundesamt. "Und das sind nur die Unfälle, die die Polizei registriert", sagt der Verkehrsreferent des Allgemeinen Deutschen FahrradClubs (ADFC), Wilhelm Hörmann. Die tatsächliche Zahl liege deutlich höher, wie der ADFC von Berufsgenossenschaften wisse, die Unfälle auf dem Arbeitsweg notierten. Immerhin sinkt die Zahl der getöteten Radfahrer. Waren es 1991 noch 925 starben 2007 425 Radfahrer bei einem Unfall.

Neun Unfälle pro Stunde

Durchschnittlich neun Radfahrer stürzen jede Stunde irgendwo in Deutschland, stoßen mit anderen Radfahrern zusammen, kollidieren mit Fußgängern oder kommen im schlimmsten Fall unter die Räder. Obwohl die Zahl so hoch ist, gebe es in Deutschland nach wie vor keine angemessene Unfallforschung bei Radfahrern, klagt Hörmann im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Das zeige sich auch darin, dass bei mehr als 59 Prozent der von der Polizei erfassten Unfälle bei Radfahrern als Ursache lapidar "Sonstiges" angegeben werde. Etwas präziser sei der zweithäufigste Grund: In 16 Prozent der Unfälle würden die Radfahrer die Straße falsch benutzen, sprich auf der falschen Seite, entgegen der Richtung einer Einbahnstraße oder zu weit in der Straßenmitte fahren.

Wer auf zwei Rädern unterwegs ist, lässt sich eben oft verführen, diese Flexibilität auch auszureizen - auf Bürgersteigen, im Slalom zwischen Spaziergängern, auf schmalen Parkwegen. Manche Straßen und Verkehrszeichen scheinen zudem nur für Autofahrer und Fußgänger gedacht; Radfahrer müssten häufig anhalten - und lassen es oft einfach sein.

Weil Fahrräder keine Nummernschilder tragen, müssen sie in der Regel keine Sanktionen fürchten. Der Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstages, Friedrich Dencker, regte eine Diskussion über solche Nummernschilder an. "Sie würden die Zahl der Unfälle nicht senken", findet jedoch ADFC-Referent Hörmann. "Es wäre auch ein zu großer Verwaltungsakt, weil man alle Fahrrädern auf ihre Besitzer registrieren müsste."

Für den ADFC spielt die Sichtbarkeit eine entscheidende Rolle bei der Vermeidung von Radunfällen: Die Kommunen sollten ihre Straßen so bauen, dass alle Verkehrsteilnehmer einander gut sehen. Autofahrer sollten besonders beim Rechtsabbiegen immer über die Schulter blicken, so Hörmann. Und den Radfahrer sagt er: bei Dunkelheit nur mit Licht fahren.

Autor:  VIKTOR FUNK
Datum:  29 | 1 | 2009
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