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Ratlos in Genf: Angewiderte UN-Mitarbeiter

Die Belegschaft des Zweitsitzes der Vereinten Nationen in Genf hatte vergangenes Wochenende einen zusätzlichen freien Tag - wegen des islamischen Festes Eid Al-Adha. Derweil verbietet die Schweiz Minarette. Von Pierre Simonitsch

Mit Fantasie gegen das Minarettverbot: Demo in Zürich.
Mit Fantasie gegen das Minarettverbot: Demo in Zürich.
Foto: rtr

Genf. Die Belegschaft des Zweitsitzes der Vereinten Nationen in Genf hatte vergangenes Wochenende einen zusätzlichen freien Tag - wegen des islamischen Festes Eid Al-Adha, das die Weltorganisation zwecks Dialogs der Kulturen auf ihren Kalender gesetzt hat. Für die in der Schweiz lebenden Muslime wurde Eid Al-Adha jedoch zur Schmach. Die Eidgenossen stimmten mit klarer Mehrheit für ein Verbot des Baus von Minaretten.

Als die UN-Beamten am Montag an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten, war das überraschende Abstimmungsergebnis in aller Munde. Doch schon in der Mittagspause ebbte das Interesse ab. Das internationale Genf lebt weitgehend abgeschottet von den übrigen Bürgern des Kantons.

Die meisten UN-Funktionäre islamischen Glaubens befürchten keine Veränderung ihres Alltagslebens. Spürbar ist aber ihr Gefühl, ausgegrenzt zu werden.

"Ich bin von der Anti-Minarett-Initiative angewidert", sagt Gorgui N., ein frommer Muslim aus Senegal. "Eigentlich hätte über diese Initiative gar nicht abgestimmt werden dürfen, weil sie im Widerspruch zur Verfassung steht und den Zweck verfolgt, die Muslime zu stigmatisieren. Ihre Urheber haben Probleme, die nur die ganz rigorosen islamischen Länder betreffen, auf die Schweiz übertragen. Viele Muslime hier fühlen sich jetzt bedroht. Das Abstimmungsergebnis wird negative Folgen für die Schweiz haben, vor allem in Afrika."

Der Algerier Selim R., ein nicht praktizierender Muslim, fragt: "Wird die Schweiz jetzt ihre Verfassung ändern und den jahrhundertealten Schutz der Minderheiten abschaffen?" Seiner Meinung nach haben die Leute gar nicht begriffen, "ob sie über Architektur oder über Religion abstimmten". Safet A., ein Serbe, kritisiert "die Vermischung von Politik und Religion, die in immer mehr europäischen Ländern zu beobachten ist". Er ist der Meinung, dass der Abstimmungserfolg der Rechtspopulisten auch auf den Streit zwischen der Schweiz und der Familie des libyschen Staatschefs Muammar al Gaddafi zurückgeht. Dieser hält seit anderthalb Jahren zwei Schweizer fest, weil sein Sohn kurzzeitig in der Schweiz inhaftiert war. Auswirkungen für sich selbst befürchtet der Serbe A., Sohn eines Muslims und einer orthodoxen Christin, aber nicht.

Der Brasilianer Jamil C. meint: "Wenn sich die Schweizer Wähler bewusst gewesen wären, was sie tun, dann hätten sie es nicht getan. Das Ganze zeigt die tiefe Ignoranz des Durchschnittsschweizers."

Die Vereinten Nationen selbst nehmen nicht Stellung, weil dies als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Gastlandes aufgefasst werden könnte. Hingegen will das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte heute eine Erklärung abgeben.

Autor:  Pierre Simonitsch
Datum:  30 | 11 | 2009
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