Fette Beute: 45 000 CDs mit rechtsextremer Musik, 170 Computer und rund 70 Waffen hat die Polizei bei einer bundesweiten Razzia am Mittwoch sichergestellt. Mehr als 200 Wohnungen und Büros wurden durchsucht, teilten Bundeskriminalamt (BKA) und Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Die 104 Beschuldigten sind zwischen 21 und 45 Jahre alt.
Auf ihre Spur kamen die Ermittler 2007: Der Verfassungsschutz wies sie auf eine Auktionsplattform im Internet hin, die der rechten Szene zum Vertrieb rechtsextremer Produkte diente - eine Art Ebay für Neonazis. Bei Durchsuchungen im September 2007 beschlagnahmte die Polizei den Server, Festplatten und Tonträger. Die Auswertung der rund 20 000 Auktionen mit 800 angemeldeten Nutzern dauerte Monate - und brachte den Ermittlern offenbar zahlreiche Adressen von Freunden des nationalen Liedguts ein.
Staatsanwaltschaft Stuttgart, BKA und Polizeipräsidium Stuttgart bildeten eine "AG Netzwerk", um die Verkäufe von rund 1000 verschiedenen Musikproduktionen - darunter englisch- und französischsprachige - auszuwerten. "Die Musik bildet das Tor, durch das junge Menschen gelockt werden sollen", sagte Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler.
"Geldquelle der rechten Szene"
Zudem würden, so Mahler, mit den CDs mehrere Millionen Euro im Jahr umgesetzt, dies sei "eine zentrale Finanzquelle der rechten Szene". Auf eine Anfrage der Linksfraktion hatte die Bundesregierung kürzlich mitgeteilt, dass 2008 zwei DVDs, zwölf Bücher und genau 100 Tonträger mit rechtsextremistischem Inhalt indiziert wurden. Darunter befanden sich Rechtsrockplatten von Gruppen wie "Endlöser", "Kommando Freisler" und "Arisches Blut" sowie der als kriminelle Vereinigung verurteilten Band "Landser".
Die Auktionsplattform allerdings konnten die Behörden noch nicht schließen. Zwar ist sie derzeit offline, die Betreiber teilen aber mit: "Gemeinsam mit unseren Anwälten haben wir nun endlich eine Lösung gefunden trotz staatlicher Schikane den Betrieb wieder aufnehmen zu können."
Aus der AG Netzwerk heißt es dazu, man versuche, die Plattform zu schließen. Als Verantwortlicher gelte ein 34-Jähriger aus Baden-Württemberg. Nach FR-Recherchen handelt es sich um den Neonazi Sascha D., Betreiber des CD-Versandhandels RACords. Lieder seiner eigenen Band "Noie Werte" sind auch auf der Schulhof-CD der NPD enthalten.
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