kalaydo.de Anzeigen

Reaktionen auf Dresdner Mord: Ex-Muslime warnen vor Instrumentaliserung

Der Zentralrat der Ex-Muslime warnt islamische Verbände davor, den Mord an der Ägypterin Marwa El Sherbini im Dresdner Landgericht politisch zu instrumentalisieren. Es gebe keine Anzeichen für eine Islamophobie in Deutschland.

Trauerfeier für Marwa El Sherbini in Dresden.
Trauerfeier für Marwa El Sherbini in Dresden.
Foto: rtr

Leipzig. Der Zentralrat der Ex-Muslime hat islamische Verbände davor gewarnt, den Mord an der Ägypterin Marwa El Sherbini im Dresdner Landgericht politisch zu instrumentalisieren. Es gebe keine Anzeichen für eine Islamophobie in Deutschland, sagte die Vorsitzende Mina Ahadi der "Leipziger Volkszeitung".

Die Bundesregierung habe immer wieder erstaunliche Zugeständnisse an die hier lebenden Muslime gemacht, zuletzt beim Islamgipfel. Sie müsse eher aufpassen, dass sie nicht mit falschen Zugeständnissen dem radikalen Islamismus Vorschub leiste.

Vor dem Dresdner Rathaus werden am Samstag weiße Rosen für die erstochenen Ägypterin Marwa El Sherbiny niedergelegt.
Vor dem Dresdner Rathaus werden am Samstag weiße Rosen für die erstochenen Ägypterin Marwa El Sherbiny niedergelegt.
Foto: dpa

"Plötzlich redet keiner mehr über sogenannte Ehrenmorde, die hier in islamisch geprägten Familien traurige Realität sind", sagte Ahadi. Den damit bedrohten Mädchen und nicht islamistischen Fanatikern müsse geholfen werden.

Ahadi warf dem Chef des Zentralrats der Muslime, Ayyub Köhler, "Doppelmoral" vor. "Wenn Frauen im Iran für ihre Rechte auf die Straße gehen, werden sie erschossen. Wird dagegen in Deutschland protestiert, werden Kritiker mit dem Vorwurf der Islamophobie unter Druck gesetzt."

Trauerfeier in Dresden

Am Samstag hatten rund 1500 Menschen in Dresden mit einer Trauerfeier der erstochenen Ägypterin gedacht. Dabei protestierten sie zugleich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die 31-Jährige war am 1. Juli während einer Berufungsverhandlung wegen Beleidigung von dem Angeklagten erstochen worden. Der aus Russland stammende Deutsche hatte die schwangere Zeugin mit 18 Messerstichen getötet und ihren Ehemann verletzt. Sie hatte den Mann 2008 angezeigt, nachdem er sie auf einem Spielplatz als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft hatte.

Die brutale Tat des 28-Jährigen löste auch am Samstag wieder Proteste in der islamischen Welt aus. Ägyptens Botschafter Ramsi Ess Eldin Ramsi sagte in Dresden, Marwa El-Sherbini sei ein Opfer von blindem Hass und Fanatismus geworden, die ihre Quelle in der Ignoranz hätten, Nabil Yacoub vom Dresdner Ausländerrat forderte: "Lasst die Saat des Extremismus nicht aufgehen."

Botschafter Ramsi sprach von einer "verbrecherischen Einzeltat", die nicht die Wirklichkeit der deutschen Gesellschaft zum Ausdruck bringe. "Die deutsche Gesellschaft ist weltoffen, offen für andere Kulturen, Nationalitäten und Glaubensrichtungen." Er erwarte, dass der Täter schnellstens verurteilt und die Familie des Opfers entschädigt werde.

Der Zentralrat der Muslime forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein deutliches Signal gegen Islamfeindlichkeit in Deutschland. Sie möge sich "auch bitte direkt an die mehr als vier Millionen Muslime hierzulande wenden und den brutalen rassistischen Mord aus islamfeindlichen Motiven verurteilen", sagte Generalsekretär Aiman Mazyek dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". (dpa)

Datum:  12 | 7 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


Kolumne

Unser Autor Stephan Hebel macht launische Bemerkungen über die doppelte Merkel, den griechischen Unmut über Spar-Kommissare - und, natürlich, den Sylt-Urlaub unseres Staatsoberhaupts.

Spezial
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.

Interaktiv

Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner, sowie Informationen zu den Präsidentschaftskandidaten.

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Fotostrecke
Fotostrecke
Politiker-Pannen 2011 (14 Bilder)
Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Fotostrecke
Plaßmanns Welt (240 Bilder)

Anzeige

Spezial
Rechte Proteste gegen den Bau der Kölner Zentralmoschee (Archivbild).

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Videos
Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Meistgeklickt
Verrauchte Sicht für Frankfurts Keeper Oka Nikolov.
Eintracht gegen Fortuna 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
Lobhudelei in traurig-krächzender Show
Karlsruhe urteilt: Die derzeitige Bezahlung von Uni-Professoren ist nicht rechtens.
Urteil zu Professorenbesoldung 
Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!